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Gabriele Kübler - Gottfried Honegger [antikvár]
 
Cercla et Carré .Dte Einfachheit der Formen bedeutet nicht Einfachheit der Erfahrung. Die einfachen [=ormen vereinfachen nicht die Beziehungen, sie ordnen sie.« Roben Morris Gerde et carré, oder allgemeiner formuliert, Kunst und Mathematik, dieses Begriffspaar setzt eine fast endlose Kette von Assoziationen frei: der Geometrismus in der Höhlenmalerei der Eiszeit, Pythagoras und Plato, die Einheit von Philosophie, Mathematil< und Kunst im antiken Griechenland. Und hat nichl Dürer eine •Untenweysung der Messung mit Zirkel und...
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Cercla et Carré .Dte Einfachheit der Formen bedeutet nicht Einfachheit der Erfahrung. Die einfachen [=ormen vereinfachen nicht die Beziehungen, sie ordnen sie.« Roben Morris Gerde et carré, oder allgemeiner formuliert, Kunst und Mathematik, dieses Begriffspaar setzt eine fast endlose Kette von Assoziationen frei: der Geometrismus in der Höhlenmalerei der Eiszeit, Pythagoras und Plato, die Einheit von Philosophie, Mathematil< und Kunst im antiken Griechenland. Und hat nichl Dürer eine •Untenweysung der Messung mit Zirkel und Richlscheyd- geschrieben? Im 20. Jahrhundert dann die Befreiung der Geometrie aus Ornamentik und KompositionsgerCist: Kreis, Quadrat oder Dreieck als autonome Bildform. Malewitsch und Rodschenko, Suprematismus, Konstruktivismus, De Stijl und konkrete Kunst. 'Cercle et Carré', das erinnert auch an die 1929 von Michel Seuphor gegründete Kunstler-gruppe, an die gleichnamige Zeitschrift und eine 1930 in Paris gezeigte Ausstellung konstruktiver Künstler, die gegen den Irrationalismus der Surrealisten mit Zirkel und Lineal antraten. 1964 erschien das Buch 'Hommage a cercle et carré': Gedichte von Michel Seuphor, Biseautages von Gottfried Honegger. Für Honegger ist das Thema also nicht neu. Zu Beginn der 60er Jahre entstand eine ganze Reihe von 'Cercle et Carré-Werken, nicht nur im zeichnerischen Bereich, sondern auch in der Technik des Tabieau-relief. Wenn er das Problem heute wieder aufgreift, so können wir sicher sein, daß er dies im Bewußtsein all der von ihm und von anderen Künsüern gezogenen Kreise und Quadrate tut. und wir können uns an einen Satz von Ernst Bloch erinnern: »Das gute Neue ist niemals so ganz neu.« Bereits der erste Blick auf die Arbeiten erstaunt uns: dem Titel zum Trotz sehen wir kein einziges richtiges Quadrat, keinen einzigen wirklichen Kreis. Wir erkennen ein Formgefüge aus zwei getrennten, jedoch eng aneinanderstoßenden Teilen. Beide besitzen sowohl rechtwinkelige wie auch runde Kanten. Obgleich also beide dieselben Merkmale aufweisen, ordnet unsere Wahrnehmung sofort den einen Teil dem Begriff 'Kreis', den anderen dem Begriff 'Viereck' zu. Sehen können wir allerdings nur das Teil vom Ganzen, das Fragment, rechteckig beschnittene Kreissegmente und stark reduzierte, an einer Seite bogenförmig begrenzte Viereckflächen. Die Konstruktion ist nicht nachvollziehbar. Doch wir vermuten, nein wir wissen, daß das Zentrum von Kreis wie von Viereck in der gleichen Richtung liegt, und der Kreis innerhalb des Vierecks; und in unserer Vorstellung ziehen wir den Kreisbogen und die Gerade weiter, schließen die Form. Zur Erkenntnis benötigen wir Begriff und Anschauung gleichermaßen, in der Kunst akzeptieren, ja suchen wir trotz aller rationalen Determinienheit einen Rest von Geheimnis. Die absolute Gewißheit, die \nllkommene Klarheil und Ordnung sind langweilig. Ein Quadrat ist ein Quadrat, ohne Diskussion, ohne Zweifel, ohne Spannung. Gottfried Honegger entzieht uns die Bestimmlheil, die er mit dem Titel scheinbar eindeutig anbietet. Waren in seinen oben erwähnten Irüheren Werken Kreis und Quadrat gelrennt, eines im anderen aufgehoben oder sich an einem Punkt nur berührend, waren die Formen dort ganzheitiich und unversehrt, so erleben wir nun eine fragmentarische Einheit, in welcher das Eine ohne das Andoro nicht mehr existent, nicht mehr denk bar isl. Das Viereck ist auch rund, der Kreis isl auch rechtwinkelig. Der Dualismus der beiden konträren Formen scheint aufgehoben. Honegger sprtchl von •Vôrsôhnung-, doch es ist kein ruhiges Einswerden, sondern die spannungsgeladene Konfrontation elementarer Gegensätze. Die Dynamik des Hochformats, welches der Künstler - mit wenigen Ausnahmen - gewählt hat, sowie die Verschiebung jeweils einer Fläche aus der Horizonlalachse nach oben bzw. unten verstarken diesen Eindruck. Ganzheit und Fragment, Kreisbogen und rechter Winkel, zum formalen Kontrast fügt Honegger den Dualismus der Oberflächenstrukturen und daraus resultierend der Farbwirkung. Wie rund gegen eckig, so steht rauh gegen glatt, matt gegen glänzend. Es ist dieselbe Farbe aul beiden Teilen, dasselbe Blau, Schwarz oder Weiß, doch bei dem einen Teil lassen die Farbschichten die Struktur der Leinwand erkennen, beim zweiten wird diese von einer Spachtelmasse unter der Farbschicht verdeckt. Da die glatte Oberfläche das Licht in anderer Weise reflektiert, wird auch die eigentliche Monochromie des Werkes gebrochen. Das dualistische Prinzip, das in diesen neuen Werken von Gottfried Honegger so deutlich zum Ausdruck kommt, die Frage nach Identität und Negation isl ein weseniliches Merkmal seiner gesamten Arbeit. Man kann und darf ihn weder als Künstler noch als Mensch an einem Punkt festmachen. Nicht nur daß Malerei und Plastik schon von Anfang an gleichwertig nebeneinanderstehen, vor allem die beiden von ihm entwickelten Techniken der Biseautage und des Tabieau-relief, Zwischenformen von Plastik und Tafelbild, machen diesen Wesenszug deutlich. Obgleich Honegger sich selbst in erster Linie als 'Maler' sieht. Form entsteht bei ihm immer mit plastischen nicht mit malerischen Mitteln. Zweischneidig, zwiespältig im wahren Sinn des Wortes sind die in Papier oder Karton geschnittenen und aus der Fläche gehobenen

Termékadatok

Cím: Gottfried Honegger [antikvár]
Szerző: Gabriele Kübler , Gottfried Honegger Iring Fetscher
Kiadó: Stiftung für konkrete Kunst
Kötés: Papír
ISBN: 3921638348
Méret: 300 mm x 420 mm
Gabriele Kübler művei
Gottfried Honegger művei
Iring Fetscher művei
Bolti készlet  
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