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Vorwort
Francisco de Goya gilt heute allgemein als Maler und Graphiker von universalem Rang und als der große Vorläufer der modernen Kunst. Von ihm gingen Bewegungen aus wie der Expressionismus, der Surrealismus und die sozialkritische Malerei. Er hat Impulse gegeben, die zu einem grundlegenden Wandel in der abendländischen Kunst führten, ein Wandel, der den technischen ebenso wie den thematischen Aspekt betrifft.
Die Ausstellung von Originalradierungen Goyas, die die Fundación Juan March dem wiener Publikum vorstellt, umfaßt seine vier großen graphischen Serien, die Caprichos, die Desastres de la Guerra, die Tauromaquia und die Disparates oder Proverbios. In dieser Ausstellung werden auch 8 von Goya selbst gravierte Kupferplatten gezeigt, die zu den Caprichos Nr. 39 und 61, bzw. den Desastres Nr. 4 und 47, der Tauromaquia Nr. 10 und 12 und den Disparates Nr. 8 und 13 gehören.
Diese Platten, die Eigentum der Calcografía Nacional der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid, sind, werden zum ersten Mal ausserhalb Spaniens gezeigt. Diese Graphiken, die nicht als Auftragswerk entstanden, sondern allein dem künstlerischen Ausdruckswillen folgen, gehören zu den unmittelbarsten, spontansten und sensibelsten Äußerungen Goyascher Kunst. Ergänzt wird die Ausstellung durch großformatige Fotoreproduktionen, die eine genauere Betrachtung der Details einiger Radierungen erlauben. Eine Reihe von erläuternden Tafeln und ein Videofilm über Leben und Werk Goyas von 15 Minuten Dauer vervollständigen die Ausstellung.
Für den Katalogtext zeichnet Professor Alfonso E. Pérez Sánchez, der Direktor des Museo del Prado, verantwortlich, der auch bei der Gestaltung der Ausstellung beratend zur Seite stand. Der Katalog enthält eine kurze Übersicht über Leben und Werk Goyas sowie Kommentare zu allen ausgestellten Bildern.
Die Fundación Juan March wurde 1955 als gemeinnützige private Stiftung zur Förderung von Kultur und Wissenschaft gegründet. Sie hat in den Jahren ihres Bestehens über 5000 Stipendien an junge Spanier vergeben und ihnen Forschungsarbeiten und Studien an spanischen und ausländischen Lehrzentren in den verschiedensten Bereichen der Wissenschaft, Kunst, Technik und Kultur ermöglicht. Daneben veranstaltet die Stiftung sowohl an ihrem Hauptsitz in Madrid als auch in anderen Städten Spaniens und im Ausland Ausstellungen, Vorträge, Konzerte, Kongresse und Seminare. Auf dem Gebiet der Kunst hat die Fundación Juan March in den letzten zehn Jahren 350 Ausstellungen ausgerichtet, zahlreiche Werke veröffentlicht, über 500 Stipendien für künstlerisches Forschen und Schaffen vergeben und eine Sammlung von fast 1000 Werken zeitgenössischer spanischer Künstler angelegt.
Der Dank der Fundación Juan March gilt der grosszügigen Mitarbeit des Künstlerhauses Wien und dessen Präsidenten, Prof. Dr. h.c. Hans Mayr, der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid, der Spanischen Botschaft in Wien und deren Kulturrat, Dr. Xavier Sellés, und allen Personen und Institutionen, die diese Ausstellung ermöglicht haben.
Mai, 1989