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FRANCISCO DE GOYA
GEBOREN AM 30. MÄRZ 1746
IN FUENDETODOS IN ARAGONIEN
GESTORBEN AM 16. APRIL 1828
IN BORDEAUX IN S ü D F RAN K RE I CH
Das Leben des großen spanischen Malers und Zeichners, Radierers und Lithographen Francisco de Goya deckt sich zeitlich fast genau mit dem Goethes, der Tag seiner Geburt und sein Todestag liegen jeweils etwa dreieinhalb Jahre vor den entsprechenden Daten des deutschen Dichters — eine Tatsache, die man angesichts des oft erstaunlich modern wirkenden Lebenswerkes dieses Meisters der Farbe, des Griffels und des Stichels manchmal vergessen könnte. Beide starben im 83. Jahre ihres schaffensreichen Lebens, gewiß ohne je etwas voneinander gehört zu haben, und bis ans Ende ihrer Tage haben sie in unverminderter Kraft gewirkt.
Verschieden aber ist schon ihre Herkunft, denn Goya entstammt dem ländlichen Proletariat, einer armen Bauernfamilie Aragoniens, jener kargen, aber an Kontrasten reichen Landschaft Nordspaniens, die vom Ebro durchrauscht und befruchtet wird, von deren Hügeln man die schneeigen Gipfel der Pyrenäenkette im Lichte der Abendsonne leuchten sieht, die jedoch zum Geistesleben des spanischen Reiches nicht allzuviel beigetragen hat. Die Mutter freilich, Dona Gracia Lucientes, deren Familiennamen der Sohn in der üblichen spanischen Weise an seinen Vatersnamen anhängt, soll adlige Vorfahren gehabt haben, was sich der nach Hofgunst strebende Jüngling später zunutze macht; so nennt er sich denn Francisco de Goya y Lucientes.
Was die Künstlerfama bereits von Glotto dl Bondone, dem großen Florentiner Meister, der fast ein halbes Jahrtausend vor Goya lebte, und bis zu Courbet und Franz Defregger von manchem anderen Maler berichtet, erzählte man sich auch von dem Spanier: ein Kunstkenner habe den Knaben betroffen, wie er ein Haustier, ein Schwein, auf eine Mauer gezeichnet habe, und das sei der Anlaß gewesen, ihn zu einem Maler in die Lehre zu geben, und zwar in die Provinzhauptstadt Saragossa (Zaragoza), wo sein Aufenthalt im Atelier einer Lokalgröße seit 1760 nachweisbar ist. Am 4. Dezember 1763 bewirbt er sich um ein Stipendium der Madrider Kunstakademie, wird aber abgewiesen. Es vergehen noch viele Jahre, bevor wir von seinen ersten Arbeiten sichere Kunde erhalten. Um so mehr wird uns von seinem wüsten Leben berichtet, im ganzen glaubhafte Geschichten, im einzelnen aber sicher vielfach ausgesponnen. Wollte man seine Biographie mit dem Rankenwerk all der Fabeln, die zur Erklärung seines künstlerischen Ungestüms um ihn gewoben worden sind, ausschmücken, läse sie sich wie ein Roman. Und tatsächlich hat man seine Gestalt so häufig wie die kaum eines anderen Künstlers in Romanen und Novellen behandelt; es fehlt nur noch, daß sich der Film des unleugbar dafür geeigneten Stoffes annimmt. In einem seiner zahlreichen Briefe an seinen Jugendfreund Martin Zapater in Saragossa schreibt er übrigens Ende 1782 selbst von dem „Landstreicherleben", das er bisher geführt habe. Jene Biographen nun, die gerne ein möglichst farbiges Bild von ihrem Helden geben möchten, werden nicht müde, ihn als einen Sauf- und Raufbold, als einen Mädchenjäger und Frauenverführer, als