Die Ouverturen von Hector Berlioz.Zur Einführung.Unter den für alle Zeit bedeutsamen Orchesterschöpfungen, welche Hector Berlioz bei seinem am 8. März 1869 zu Paris erfolgten Ableben den Künstlern und Kunstfreunden aller Culturvölker als reiches Vei-mächtniss hinterlassen hat, bilden die Ouverturen für grosses Orchester eine inhaltlich so interessante und numerisch so stattliche Gruppe, dass man sich fast versucht fühlen könnte, Berlioz den Ouverturen-Componisten par excellence, Beethoven, Cherubini, Weber und Mendelssohn...
Die Ouverturen von Hector Berlioz.Zur Einführung.Unter den für alle Zeit bedeutsamen Orchesterschöpfungen, welche Hector Berlioz bei seinem am 8. März 1869 zu Paris erfolgten Ableben den Künstlern und Kunstfreunden aller Culturvölker als reiches Vei-mächtniss hinterlassen hat, bilden die Ouverturen für grosses Orchester eine inhaltlich so interessante und numerisch so stattliche Gruppe, dass man sich fast versucht fühlen könnte, Berlioz den Ouverturen-Componisten par excellence, Beethoven, Cherubini, Weber und Mendelssohn beizugesellen.Von den acht Ouverturen, die Berlioz insgesammt componirt hat, ist eine die um das Jahr 1832 entstandene und im darauffolgenden Jahre zu Paris aufgeführte Ouverture zu Eob-Roy" vom Autor selbst nicht veröffentlicht worden *), und die im Druck vorliegenden Ouverturen des grossen französischen Romantikers bilden somit ein Siebengestirn, das, den Plejaden ähnlich, zwar nicht aus Sternen erster Grösse besteht, mit dem funkelnden und leuchtenden Schimmer seiner einzelnen Sterne aber doch recht hell am Goncerthimmel prangen könnte und prangen sollte. Könnten doch gerade gelegentliche Vorführungen der in ihren traditionelleren und prägnanteren Formungen und mit ihren oftmals so eingängigen Themen weniger befremdend wirkenden Ouverturen das Publikum allerorten allmählich mit der Eigenart der Berlioz'schen Tonsprache vertraut machen, so dass dem Meister schliesslich auch da, wo er sich in allertiefster und rücksichtslosester Weise ausspricht: in seinen drei grossen Programm-Symphonien Episode de la vie d'un artiste", Harold en Italie" und Roméo et Juliette" voiles Verständniss zu Theil würde.Aber ganz abgesehen von dem Werthe, der den sieben Ouverturen von Berlioz im Hinblick auf ihre künstlerisch anregenden und erzieherischen Wirkungen zuerkannt werden muss, bilden diese sieben opera und zumal in der hier erstmalig leichter zugänglich gemachten öesammtausgabe eine kunstgeschichtlich äusserst werthvolle Urkundensammlung. Geben doch gerade diese in dem Zeitraum von 35 Jahren (von 1827 bis 1862) componirten sieben Ouverturen dem sichtenden und forschenden Musiker in knappen und scharfumrissenen Zügen ein deutliches Bild von der künstlerischen Entwicklung einer ausserordentlichen schöpferischen Individualität.Gleich die erste Ouverture von Berlioz, die im Jahre 1827 oder 1828 durch Lecture des Waverley-Romanes von Walter Scott hervorgerufene und vom Componisten an Stelle der vernichteten Acht Scenen aus Faust" als opus 1 bezeichnete Grande Ouverture de Waverley" gewährt bei aller noch vorwiegenden TJngelenkigkeit des musikalischen Satzes doch bereits recht interessante Einblicke in Berlioz' seltsame, vornehmlich auf Charakteristik des Ausdruckes und auf die Gewinnung neuer Klangfarbenreize sinnende tondicliterische Wesensart, Berlioz hatte seiner Partitur, von der Robert Schumann schon 1839 schrieb, dass sie bei aller scheinbaren Trivialität einzelner Gedanken und trotz des manchen für deutsche Ohren Ungewohnten und Beleidigenden als Ganzes einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn ausübe, die Worte :Dreams of love and Lady's charms Give place to honour and to arms"deutsch etwa:Liebestraum und Frauen-Minnen Weichen kühnem Ruhmgewinnen"aus Walter Scott's Waverley" vorgesetzt, und jeder tondichterisehen Anregungen nicht ganz unzugängliche Hörer wird aus den stockenden Ansätzen und der innigen in ihrem Verlaufe so*) Berlioz hatte die in seinem Besitz beflndlicUen Manuscripte testamentarisch der Bibliothek des Pariser Conservatoriums vermacht, und diese Nachlass-Sammlung enthält neben mehreren Partituren seiner bekannten grösseren Werke auch seine von Rom aus an die Académie des Beanx-Arts gesandten Arbeiten : Quartett und Chor der Magier", Intrata di Bob Roy Mac Gregor" und die fünf ersten Stücke des Lelio". Während der Drucklegung dieser Zeilen ist von der Firma Breitkopf & Härtel das Erscheinen einer Gesammtausgabe von Berlioz' musikalischen Werken und in dieser auch die erstmalige Veröifent-Uchung der Eob-Roy-Onyertüre angekündigt worden.
Termékadatok
Cím: Grande Ouverture du Roi Lear, tragédie de Shakespeare, á grand orchestre [antikvár]
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