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EINLEITENDES
Uber das Physische des griechischen Menschen würden wir nähern Aufschluß vor allem von der bildenden Kunst erwarten. Aber unser Wunsch nach einem solchen wird hier nur bedingt befriedigt; denn die Kunst gibt nicht den Durchschnitt, sondern das Besondere, ideal Gesammelte und Dargestellte; sie beweist nur, was als hoch und herrlich galt, und wie man gerne ausgesehen hätte. Immerhin ist sie auch so schon ein starkes Zeugnis für die Schönheit der Rasse. Eine häßliche Nation hätte sie bloß durch die Sehnsucht nicht hervorbringen können, und das als schön Geltende muß in der Wirklichkeit auch oft vorgekommen sein. Abgesehen von den Gräberfunden, welche wenigstens für eine hohe Normalität der Skelettbildung immer zahlreichere Beweise liefern werden, sind wir nun aber doch hauptsächlich auf literarische Aussagen angewiesen, und da uns Beteurungen der Griechen selbst über ihre Schönheit nicht glaubhaft wären, müssen wir warten, bis ein anderes Volk sich darüber ausspricht. Ein solches Zeugnis, wenn auch erst vom Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr., ist die von O. Müller entdeckte hochwichtige Stelle der Physiognomika des Adamantios (c. 24), an der uns ein getaufter Jude von den damals schon als eine seltene Spezies geltenden Hellenen außer einigem allgemein Geltendem sagt, „sie seien gerade hinlänglich groß gewachsen, fest, weiß von Teint, Hände und Füße seien wohl gebildet, der Kopf mittelgroß, der Hals stark, das Haar braun, zart und sanft gewellt, das Gesicht viereckig (also nicht mandelförmig, sondern mit ziemlich starken Backenknochen); die Lippen seien fein, die Nase gerade, die Augen mit glänzendem, mächtigem Blick; sie seien das schönäugigste Volk der Welt".