Bővebb ismertető
Wo in pelasgischer Frühzeit und im weiten Strahlungsfeld der jahrtausendlang währenden kretischen Hochkultur, die den Menschen der Ägäis Daseinserfülltheit und einen das Leben achtenden Tag zu bescheren schien, chthonische Gottheiten, unterirdische Mächte, Fluß-und Baumnymphen verehrt und angebetet wurden, in Erdgruben, die Fruchtbarkeit zu beschwören, Opferblut gegossen wurde, das des Heiligen Königs und später, stellvertretend, des Heiligen Stieres, wo die sich häutende Schlange, Unsterblichkeit bezeugend, gefeiert wurde, blieb für die folgenden Jahrhunderte geheiligter Boden: weiterwirkend, Mythen variierend und neu schaffend. Dort, unter den Händen der aus dem Norden eingedrungenen ungezügelten Griechenstämme erwuchsen nach einem langen und schwierigen Prozeß - aus nomadisierenden, rossezüchtenden Kriegerhorden wurden Bauern, seßhafte adlige Kriegerfamilien, Städtebewohner und -gründet, handeltreibende Seefahrer - vor und über den ursprünglichen Kultmalen Quell, Baum, Felsgipfel, Höhle oder demGrab vonUrköni-gen die ersten Tempel. Diesen für uns Heutige noch entscheidenden Zivilisationsprozeß, die von jenen Völkern geleistete Anstrengung zu ermessen, müssen wir uns in das vorhomerische Zeitalter versetzen, da die um 2000 v.u.Z. in die Peloponnes eingefallenen Achaier sich ausbreiteten voll Vernichtungslust und Grausamkeit. Inbegriff des Daseins war ihnen das Schlachtfeld, die Eroberung, waren Plünderung, Knechtung, Raub. Ihre Tugend kriegerische Tapferkeit. Das Lebensgefühl Herrschen. Maßlosigkeit im Hassen, sinnlose Vernichtung und Verachtung für den Gegner wüteten: Hektor, besiegt, tot, mußte von Achill durch den Staub geschleift werden, so noch geschändet. Unter diesen Schwertern fiel Troia, fiel Knossos, Zentrum der friedlichen minoischen Kultur. Sie widerstand dennoch und übte einen gewissen Einfluß auf den Zerstörer aus, wenn diesen auch nicht ändernd, ihm doch einen zivilisierenden Halt gebend, ein erstes Gefühl für Dauer und Uberdauern: So wie sie in Knossos es erlebt, setzten sie in den Hintergrund von Gewalttätigkeit, verheerendem Getriebensein einen Ruhepunkt, ihr Haus: Im Zentrum der mykeni-schen Kyklopenburg ein kubisch strenger Raum mit Vorhof und Säulen: Urzelle des um Jahrhunderte jüngeren griechischen Tempels. Ebenso kriegsbesessen, das Land der Achaier überrennend, verödend und ihre gerade sich anbahnende Zügelung tilgend, waren diesen um 1200 v.u.Z. die Dorierstämme gefolgt. Sie setzten der
milden Herrschaft Kretas im Mittelmeerraum vollends ein Ende, verwüsteten die Peloponnes; durch Eisenwafien vollgerüsteter Horden denBronzewaffen tragenden Rittergeschlechtern der Achaier überlegen, zerstörten sie deren weitverstreute Burgen und ihren Hauptsitz Mykene. Damit brach unter der neuen Gewaltherrschaft für ein halbes Jahrtausend abermals vorgeschichtliches Dunkel an, aus dem keine Gestaltung sichtbar wurde, keine menschliche Äußerung und Erhellung hervorging. Es versinken die mykenische Silbenschrift, die große differenzierte Baukunst der Kreter und die kolossalische der Achaier; da gehen die Fertigkeiten des Kunsthandwerkers, des Schmiedes, des Bildhauers, die Fähigkeiten, Wandmalereien zu schaffen, mit Steinsäge und -bohrer umzugehen, verloren, und vor allem, die Welt in Pracht und Schönheit, bei friedlicher Arbeit zu sehen, wie es zuvor dem minoischen Auge gelang. Diese Zeit historischen und kulturellen Verstummens im östlichen Mittelmeerraum mag den Dorierstämmen bei der Bezwingung der Ureinwohner und der nicht an die kleinasiatische Küste ausgewichenen Achaier zur Festigung ihrer Herrschaft gedient haben wie auch zur Herausbildung ihrer großen Götterwelt. Denn bei all der folgenden blutigen, bis zur Selbstvernichtung treibenden Zerstrittenheit ihrer sich entwickelnden Stadtstaaten waren die Griechenstämme ein in der Religion geeintes Volk. Am Ausbau der Mythen, am Vorstellungsbild des Gottes wirkte jeder einzelne, nie von einer Priesterkaste dogma-tisiert, entschieden mit. Ein Rätsel bleibt es, wie aus den Zerstörern einer so reichen Zivilisation, den Unterdrückern der pelasgischen Urbevölkerung und der Brudervölker Gründer von gemeinschaftlich verwalteten Stadtstaaten wurden, wie als Ziel und Wert Gesittung und ein humanes Menschenbild hervorgingen. Nicht nach historischen Geschehnissen wurde die Zeit gegliedert; allein nach den kultgebundenen Olympiaden, diesem friedlichen Sich-Messen im Wettkampf der Leiber und des Geistes, der, den Göttern geweiht, die feindlichen Stämme und Städte einend zusammenrief: Selbstzucht und Selbststeigerung von jedem fordernd, zum Ruhm der heimatgebenden Stadt. Unter den Augen Apollons, des Beschützers der Musen, des geistverschworenen Gottes. Und dabei doch in jedem latent, immer bereit durchzubrechen, die blinde Gewalt des Rausches, das gelebte Schreckliche der eigenen ungezügelten und der ringsum waltenden dämonischen Natur, das Dionysische: Satyrn
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