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Vorwort
Seit die griechischen Vasen dem Boden wieder entsteigen, haben sie mit immer eindringlicher werdender Überredung die geltende Anschauung vom Griechentum verwandelt, haben ein reicheres farbenprächtigeres intimeres Bild an die Stelle des alten gesetzt. Eine Geschichtsschreibung des Altertums ist ohne sie nicht mehr denkbar. Durch die keramischen Funde vor allem ist die ,,Prähistorie" zur Historie geworden, ist der Erforschung einer sagenhaften Vorzeit ein fester Boden gegeben worden; aber auch für die geschichtlichen Zeiten dienen die Tongefäße als unentbehrlicher Zeitmesser. Die Fundschichten, auf die der Spaten des Ausgräbers stößt, werden durch die Scherben datiert. Aus der Qualität und Verbreitung der keramischen Produkte rekonstruiert der Historiker Aufschwung und Niedergang menschlicher Siedlungen und Kulturkomplexe, Industriezentren und Handelssphären, Berührungen mit fremden Kulturen und Völkerschiebungen. Die Vase wird ihm zum Symbol der Kulturphase, der sie entstammt. Aus der Verwendung der Gefäße im Dienst der Heiligtümer und der Gräber (der wir den erhaltenen Bestand verdanken), aus den Darstellungen göttlicher Wesen und kultlicher Handlungen zieht der Religionshistoriker Schlüsse auf die religiösen Vorstellungen der Alten, auf ihr Verhältnis zur Gottheit und zum Jenseits. Der Mythenforscher vermehrt seine aus der Literatur geschöpfte Kenntnis des unendlich reichen köstlichen beweglichen Sagenschatzes um viele neue Erfindungen und Varianten, lernt sie mit den Augen der Griechen sehen. Zugleich tut sich ihm ein interessanter Gegensatz zwischen der bildlichen und literarischen Formung der Sage auf, das Eigenleben der bildlichen Typik wird ihm klar. In Sagen- und Genredarstellungen kommt der Alltag stark zu Wort. Wie ein kulturhistorisches Bilderbuch erzählen die Vasen vom Tun und Treiben des Griechen, von seinen Sitten und Unsitten, von seinen Moden, seinem Hausrat, und rücken uns den Menschen von damals zum Greifen nah. Wer diese Bilder in historischer Folge vor seinem Auge vorbeiziehen läßt, nimmt eine bedeutsame