Bővebb ismertető
Zu einer Zeit, in der die schaubare Welt von den Bildhauern in Einzelteile zerlegt wird, die Maler sich nur noch mit Flächen beschäftigen und die Ausbeutung einer einzigen erfolgreichen «Masche» ein ganzes Leben lang für eine künstlerische Laufbahn genügen kann, ist es höchst anregend, diese Anthologie von Inge Moraths Photographien durchzublättern. Inge Morath ist eine Klassizistin. Wir freuen uns über die klassisch zu nennenden Wertmaßstäbe, wie etwa die Vielfalt, die Ausgewogenheit, den Sinn für Maß und Form, die vollkommen beherrschte und doch frische Sensibilität. Bei Henri Cartier-Bresson, mit dem Inge Morath während ihrer Pariser Ausbildungszeit gelegentlich zusammenarbeitete, hat sie gelernt, was höchst wahrscheinlich überhaupt nicht gelehrt werden kann, nämlich das fundamentale Geheimnis der modernen Photographie: die Wachsamkeit und die unendliche Geduld, die einem Photographen erlauben, den «entscheidenden Augenblick» einer Begebenheit einzufangen. Denn in der natürlichen Welt befindet sich ja alles ständig im Fluß. So statisch oder «gestellt» eine Photographie auch sein mag - sie wird immer von jenem geheimnisvollen Augenblick abhängen, den zu bestimmen das Vorrecht des Photographen ist, seine eigenste Wahl, seine Verpflichtung inmitten der vollkommensten Freiheit. Inge Morath sagt: «Für mich ist das Abdrücken eine Geste plötzlichen Erkennens, vergleichbar einem Kind, das auf den Zehenspitzen wippt, plötzlich mit einem kleinen Freudenschrei die Hand besitzergreifend nach einem erträumten Gegenstand ausstreckt.»
Inge Morath drückt sich am liebsten in einem einzigen, sorgfältig aufgebauten Bild aus, das in uns eine Fülle mehr oder weniger unbewußter Assoziationen wachruft. Nehmen wir zum Beispiel die Sphinx im Belvedere Park, die mir ihr Sinnbild zu sein scheint. Wer ist dieses Wesen, das unter dem forschenden Blick des Photographen langsam zum Leben zu erwachen scheint? Oder die weißen Pferde - in welche dunstige Ferne stürzen sie? Obwohl Inge Moraths Photographien