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GEOLOGISCHE ZEITALTER UND URGESCHICHTLICHES LEBEN
Fast fünf Milliarden Jahre beträgt das Alter der Erde, seit über einer Milliarde Jahren ist ihre Oberfläche von Pflanzen und Tieren belebt. Der Mensch existiert erst seit ungefähr einer halben Million Jahren. Übertragen auf eine Zeitskala, in der das Alter der Erde mit einem Jahr angenommen wäre, bedeutet dies, daß die gesamte bisherige menschliche Geschichte nur 50 Minuten dauerte, die des heutigen Menschen, des Homo sapiens, würde sogar eine noch beträchtlich kürzere Zeit umfassen. Um die vielfältigen Formen des Lebens, wie es uns heute auf der Erde begegnet, zu verstehen, ist es notwendig, in knappen Zügen die Geschichte der Erde sowie der ausgestorbenen Tiere und Pflanzen aufzuzeigen. Die geologische Entwicklung. Auf den ersten Blick scheint sich für uns die Erdoberfläche in keiner Weise zu verändern. Seit der Mensch vor rund zweieinhalb Jahrtausenden begann, seine Umgebung geographisch zu erfassen, hat es den Anschein, als hätten Gebirge, Ebenen, Flüsse und Meere sich nicht gewandelt. Doch dieser Augenschein trügt, denn tatsächlich unterliegt die Erdoberfläche ständig einem Veränderungsprozeß. Als diese Tatsache erstmals von den Begründern der modernen Geologie, wie Hutton (1795) und Lyell (1830), herausgestelh wurde, konnten sich ihre Lehren nur langsam durchsetzen, denn diese Vorgänge sind für den Menschen nur außerordentlich schwer zu begreifen, ist doch - verglichen mit dem Alter der Erde - nicht nur seine individuelle Lebensspanne, sondern sogar der historische Zeitraum verschwindend klein. Zudem werden die Auswirkungen geologischer Prozesse, die extrem langsam verlaufen können, erst nach Jahrtausenden oder Jahrmillionen sichtbar.
Zu den wichtigsten geologischen Prozessen gehört die Abtragung bestehender und die Bildung neuer Gesteine, d. h. Erosion und Sedimentation. Beide Vorgänge hängen eng miteinander zusammen. Gestein kann durch die Einwirkung von Sonne und Regen, im Gebirge durch Gletscher oder durch Welleneinwirkung an der Küste abgetragen werden. Dazu kommen biologische und chemische Prozesse, die - weniger spektakulär - zu gleichen Ergebnissen führen. Die Erosionsprodukte der Gesteinsformationen, deren Größe vom gewaltigen Findhng über die Gerölle und Sandkörner bis zu den feinsten Tonpartikeln von weniger als 0,01 mm Durchmesser reicht, werden von Gletschern,-Wind und Wasser transportiert und schließlich abgelagert: große Blöcke und Gerölle am Grund der Flüsse, feiner Sand in Flüssen und Seen oder in den Wüstenregionen des Landes, Sand und Schlamm an den Küsten und Feinschlamm und SchUck auf dem Boden der Meere. Langsam, so wie sich diese Ablagerungen vergrößern, entstehen aus den Aufschwemmungen die Sedimentgesteine. Jede neu gebildete Schicht vergrößert den Druck auf die darunterliegenden Schichten, und allmähhch verfestigen sich die Ablagerungen aus Schlamm, Sand und Gerollen, die durch den Absatz von im Wasser gelösten Mineralien fest miteinander verkittet werden, bis sie zu Ton-, Sand- und Trümmergesteinen werden. Andere Sedimentgesteine entstanden nicht aus abgelagerten Erosionsprodukten, sondern durch Abscheidungen und Überreste von Tieren. So etwa sind Kalk- und Kreidegesteine häufig aus zertrümmerten Muschelschalen und den Skeletten von Meerestieren gebildet.
Die Sedimentgesteine bilden allmählich eine Formation, in der jüngere Gesteinsschichten über älteren liegen. Die Mächtigkeit dieser Formationen, die aus den Ablagerungen während der letzten 3,5 Milliarden Jahre entstanden sind, kann etliche tausend Meter betragen. Allgemein werden in der historischen Geologie vier aufeinanderfolgende Erdzeitalter unterschieden: Kanäozoikum (Neuzeit), Mesozoikum (Mittelalter), Paläozoikum (Altertum) und Präkambrium. Davon sind die drei ersten in elf Formationen unterteih, vom Quartär und Tertiär bis zum Kambrium (s. Tabelle Seite 10). Die Namen dieser Perioden basieren auf einer jeweils typischen Formation. Unter diesem Begriff versteht man eine Folge von Gesteinsschichten, die aus den stetigen Ablagerungen während eines bestimmten Zeitabschnittes gebildet wurden. Die zuerst als typisch erkannte Formation erhielt einen Namen. So wurde beispielsweise in Wales eine bestimmte Schichtenfolge festgesteUt, die nach Cambria, dem alten Namen für Wales, Kambrium genannt wurde. Die hier identifizierte und beschriebene Formation wird nun überall auf der Erde, wo eine gleichartige Schichtenfolge auftritt, als Kambrium bezeichnet. Damit ist es möglich, jeden auf der Erde gewonnenen