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VORWORT
Nachdem August Friedrich Pott im Jahre 1840 durch einen „Zufall" zur Beschäftigung mit dem Romani gelangt war, sah er sich bald darauf „im Besitze eines Schatzes Betreffs der Zigeuner und ihrer Sprache, der, so viele schmerzliche Lücken unausgefüUt zurückblieben, sich doch in solcher Ausdehnung nie zuvor beisammen fand". Die Ergebnisse seines tiefschürfenden Durcharbeitens der zusammengebrachten „gedruckten und ungedruckten Quellen" legte er 1844/45 in dem umfangreichen Werk ,,Die Zigeuner in Europa und Asien" vor. Während der erste Teil die Grammatik der Zigeunersprache behandelte, bot der zweite, das „Wörterbuch", erstmals lexikaUsch eine vergleichende Zusammenstellung sämtlicher bis dahin aufgezeichneter Wörter aus allen damals bekannten Romani-Dialekten.
Ein Menschenalter später verarbeitete Franz Miklosich nochmals „ein reiches, fast überreiches Material aus allen Ländern, wo Zigeuner wohnen, in der längst vorbereiteten Probe eines Wörterbuches der sämmthchen zigeunerischen Mundarten". Das alphabetisch geordnete Wörterbuch bildete als ,,Vergleichung der Zigeunermimdarten" einen Teil der 1872/81 erschienenen Untersuchungen „Über die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa's". Ungleich Pott koimte Miklosich angesichts der Fülle der inzwischen vorliegenden Romani-Vokabulare keine Vollständigkeit des Wortschatzes mehr anstreben. Er nahm „nur die aus der indischen Heimat des Zigeunervolkes stammenden" Wörter annähernd voUzähhg auf, und außerdem eine Anzahl von sprachMch oder historisch bedeutsamen, aus anderen Sprachen entlehnten Wörtern.
Noch größere Beschränkung übte Rudolf v. Sowa, als er 1898 in seinem „Wörterbuch des Dialekts der deutschen Zigeuner" versuchte, nur ,,den gesamten, von zahlreichen Aufzeichnern gesammelten lexikahschen Stoff aus dem Dialekt der deutschen Zigeuner zu ordnen und zu verzeichnen".
Dieser niu- scheinbar rückläufige Entwieklimgsgang der Romani-Lexikographie war äußerhch bedingt durch die ständig angewachsene Zahl veröffentlichter Glossare und Monographien der verschiedenen Romani-Dialekte. Ihre Buchungen und Belege überschritten insgesamt bereits das Fassungsvermögen eines handlichen und übersichthchen zusammenfasssenden und vergleichenden Wörterbuchs nach dem Muster des von Pott gelieferten. Noch mehr aber zeigte sich in dem jeweils verringerten und zugleich vertieften Bearbeitungsgebiet das Einwirken geänderter Fragestellungen und neuer Ergebnisse der allgemeinen Sprachwissenschaft auf die Romani-Philologie. Bei Pott hatte Etymologisches im Vordergrund gestanden, weil er vornehmlich beabsichtigte, der Herkunft der Zigeuner aus Indien „eine fürder keinen Zweifel duldende und abgegrenztere Bestätigung zu verleihen, als