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EINFÜHRUNG
Der Kaufmann in der Kulturentwicklung der Renaissance
Der große Wandel, der den mittelalterlichen Menschen in den der Renaissance umbildete, vollzog sich in vielerlei Sphären. Am zentralsten und einschneidendsten veränderte er das Persönlichkeitsbewußtsein selbst und damit die Auffassung von der persönlichen Handlungsfreiheit. In der irrationalen, theokratisch-universalistischen Anschauung des Mittelalters war der Einzelmensch zu vielfach gebunden an Systeme, die wichtiger waren als er selbst, um das volle Recht und die Freiheit seiner Existenz empfinden zu können. Zwischen den ewigen Polen von Sündenfall und Erlösung als Anfang und Ende des allgemeinen Schicksals verlief sein Dasein gleichsam in einer immerwährenden Beharrung. Mit der sich langsam anbahnenden Erkenntnis des Diesseits aber und mit der rationalen Einsicht in den Mechanismus dieser Welt begann sich jener Bann zu lösen, und so wuchsen die Kräfte, die den Einzelnen über die bisherigen Grenzen seines kollektivistischen Daseins hinaus mit neuen Interessen begabten und seine individuellen Möglichkeiten entfalteten. Das Zeitalter der Renaissance, in dem sich mit den ersten Atemzügen eines neuen, von jenem mittelalterlich einkreisenden Geiste befreiten Daseins, mit den ersten Regungen der humanistischen Geistigkeit und Weltlichkeit das Persönlichkeitsbewußtsein zugleich mit der planvollen Entwicklung der Persönlichkeit durchzusetzen vermochte, hat also nicht zufällig auf allen künstlerischen und kulturellen Gebieten neue Bahnen beschritten. Als ein sichtbarstes Zeichen der Loslösung und Bewußtseinswerdung des Einzelnen entstand u. a. jetzt, nachdem jahrhundertelang nur die Vertreter Gottes, Fürsten und Päpste, mit mehr oder weniger abstrakten Ähnlichkeitszügen dargestellt worden waren, das bürgerliche Persönlichkeitsabbild selbst im Bildnis, und unter den Ersten, die der Nachwelt in ihrer « wahrhaften Gestalt » überliefert wurden, waren die Künder der neuen Ideen: Dante und Petrarca.
Wenn auf die Hochblüte der Kollektivgesinnung eine Hochblüte des Persönlichkeitskultes und der individuellen Möglichkeiten folgte, so geschah es nicht ohne tiefgreifende Umwandlungen der gesellschaftlichen Struktur. An ihren Anfängen wie an ihrem Fortgang haben die Großkaufleute als die ersten Exponenten der individuellen Handlungsfreiheit, der wirtschaftlichen und damit auch der gesellschaftlichen Befreiung von den mittelalterlichen Vorurteilen hervorragenden Anteil gehabt.