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Flucht um den Erdball
Vorüber sind jene geruhsamen Tage des Krimkrieges, in denen die Heere einander fast friedlich begegnet sind. Cholera, Ruhr und andere epidemische Krankheiten wüten schlimmer als das Kriegsgetümmel. Auch der Kampf auf der Halbinsel Krim ist zorniger und verbissener geworden. Trotz ungeheurer Verluste gewinnen die Alliierten Raum, die Russen erkennen, daß sie der modernen Kriegstechnik Westeuropas noch nicht gewachsen sind. Am 8. September 1855 erfolgt der Generalsturm auf die Malakowschanze von Sewastopol, die Schlüsselstellung zur belagerten Festung fällt, die Niederlage ist nicht mehr aufzuhalten.
Schon im Frühjahr dieses Jahres ist der stolze Zar Nikolaus in Gram über die drohende Katastrophe dahingegangen, sein dem Frieden geneigter Sohn ist ihm als Alexander II. gefolgt. Er zieht den Schlußstrich unter das unselige Unternehmen des Krimkrieges.
Von den europäischen Großmächten hat sich einzig Preußen neutral gehalten; selbst Österreich, das noch 1848/ 49 russische Hilfe in Ungarn gesucht und gefunden hat, ist mit einer Beobachtungsarmee in Galizien erschienen und hat Rußland dadurch zur Entsendung starker Kräfte an die bedrohte Grenze gezwungen; auch Sardinien-Piemont hat unter Minister Cavour die Gelegenheit benützt und ein Hilfskorps von 15 000 Mann gegen Rußland entsandt, um seinen Großmachtsanspruch in Europa sichtbar werden zu lassen.
In Paris, der neuen Weltstadt, die zugleich Sitz des Hauptakteurs aller Verwicklungen ist, treten die Mächte zur Friedenskonferenz zusammen. Die Unverletzlichkeit des Länderbestandes der Türkei in Europa wird bekräftigt; Serbien wird ein selbständiges Fürstentum unter der gemeinsamen Garantie der Großmächte, die an Stelle Rußlands zu Schützern der Christen in der Türkei bestimmt werden.
Die britische Sorge um den Weltmarkt, um die Lebensli-
Krimkrieg (1853-1856); von der Türkei und ihren Verbündeten England, Frankreich und Savoyen gegen Rußland geführt. Er ist benannt nach den wichtigsten Kriegsschauplätzen auf der Halbinsel Krim.
Militärischer Höhepunkt des Krimkrieges war die fast einjährige Belagerung Sewastopols, die als der erste große Stellungskrieg der Neuzeit gilt.
Zar Nikolaus I. (1796-1853) löste den Krimkrieg durch seine Balkanpohtik aus (Besetzung der Moldau und Walachei, Kerngebiete des heutigen Rumänien).
Zar Alexander II., ab 1851 Zar von Rußland; hob 1861 die Leibeigenschaft auf und führte liberales Reformpro-gramm durch.
Graf Benso di Cavour (1810-1861). italienischer Staatsmann.
Nach dem Fall von Sewastopol beendete am 30.3.1856 der «Pariser Friede» den Krimkrieg endgültig.