Bővebb ismertető
Vorwort
Literarische Texte existieren nicht als abstrakte Entitaten, sondern weisen immer Eigenschaften auf, durch die sie verschiedenen Textgruppénzugeordnet werden können, die traditionellerweise „Gattungen" heiűen. Die Bestimmung und Einteilung der Gattungen war seit der Antiké (denken wir beispielweise nur an die Poetik von Aristoteles und die sich daran anknüpfenden spateren Poetiken) eine beliebte und bevorzugte Beschaftigung der Literaturwissenschaft.
Dieser Band setzt sich eben deshalb zum Ziel, einen ersten (flüchtigen?) Einblick in die verwickelten Fragen der literarischen Gattungen zu geben. Er trSgt aber den Titel Textsorte - Gattung, um dadurch zugleich die Verankerung der literarischen Gattungsproblematik in der alltagssprachlichen Differenzierung von Textsorten anzudeuten. Die Definition von Textsorten bildet den Gegenstand der Textlinguistik/ Texttheorie (die ihrerseits in dieser Hinsicht eben der traditionellen Gattungsforschung viel verdanken kann), und eine tiefergehende Analyse könnte zur Feststellung filhren, dafi es sich auch im Falle von literarischen Gattungen eigentlich um Textsorten, d.h. nach bestimmten Kriterien definierte Klassen von Texten handelt. Die Beibehaltung der sich langst eingebürgerten Bezeichnung „Gattung" bedeutet eigentlich nur ein Votum filr eine gewisse Gebrauchstradition des Begriffs, die - eben weil sie sich fest eingebürgert hat - nicht abgeschaffen zu werden braucht.
Die Auswahl und Anordnung der Texte folgt gewissermaBen auch einer traditionellen Einteilung: einem Einleitungsteil, in dem allgemeine Fragen der Textsorten-bzw. Gattungsdefínition erörtert werden (vgl. die Texte von Brinker und Hempfer), sind weitere Kapitel überFjöelfe- Lyrik, Drama und narrative Strukturen angeschlossen. Es mag vielleicht iiberraschen, daC hier statt „Epik" oder „Erzühltexte" die Bezeichnung „narrative Struktur" verwendet wird, sie hat aber den entscheidenden Vorteil, dafi sie mit den traditionellen Konnotationen der Bezeichnung „Epik" nicht beladen und aufierdem noch genug allgemein ist, um sichjiicht nur auf Texte, sondern auch auf allé Arten narrativer Strukturen zu bezieben. Narrative Strukturen können dementsprechend auch in lyríichen Texten (z. BŰn der BaJiade), im Drama, aber ebenso in nicht (oder nicht nur) verbalen/textuellen Erscheinungen wie Oper, Film, Ballett usw. entdeckt werden (ilber einige allgemeine Charakteristiken von narrativen Strukturen vgl. die Texte von van Dijk, Eco, Titzmann und Lotman). Die Textauswahl zu den narrativen Strukturen bildet aus solchen Überlegungen das umfangreichste Kapitel dieses Bandes, Fragen der Lyrik- und Dramenanalyse kommen auf diese Weise eher andeutungsweise vor (so werden hier solche traditionellen Fragestellungen und Detailfragen wie z.B. Metrum, Reim- und Strophenformen usw. gar nicht behandelt, in dieser Hinsicht sollte nur auf einschlagige Handbílcher und/oder Lexika hingewiesen werden).
Das Kapitel ilber narrative Strukturen zeigt wiederum auch kein einheitliches Bild - und zwar mit Absicht, denn dieses Forschungsfeld ist so mannigfaltig, dafi es nicht einmal versucht werden konnte, auch nur ein annahernd vollstandiges Panorama anzubieten (um nur einige „Ltlcken" zu nennen: es gibt hier z. B. keinen Text von so wichtigen Forschern wie den Russischen Formaiisten, Bachtin oder Gérard Genette auf der einen oder auch von Kate Hamburger auf der anderen Seite - darin drückt sich kein Werturteil, sondern nur die Notwendigkeit des Verzichts auf Vollstandigkeit aus). Es