Bővebb ismertető
Geleitwort
Sinnen und Trachten der Patienten und der Medien wie auch das Selbstverständnis der Medizin sind bei allen Krankheiten noch viel zu sehr auf Heilung eingestellt, auf die Wiederherstellung der Unversehrtheit des Individuums. Daher wird übersehen, daß sich seit langem die Realität ganz anders darstellt, wie jeder jährliche Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes ausweist: Mehr als 2 Drittel aller Kranken in der Bundesrepublik Deutschland sind chronisch krank. Bei einer akuten Krankheit erwartet der Patient, vom Arzt geheilt zu werden; er übernimmt dabei eine weitgehend passive Rolle. Bei einem chronischen Leiden dagegen muß der Betroffene lernen, sein Leben trotz einer Behinderung, trotz eines chronischen Leidens wieder selbst so gut wie irgend möglich zu führen. Dieses Ziel des Rehabilitationsprozesses fordert vom Kranken oft eine Neubesinnung, eine Umorien-tierung, eine Änderung der die Krankheit begünstigenden Lebensgewohnheiten. Daß dabei alle Möglichkeiten der modernen Medizin sinnvoll genutzt werden sollen, ist selbstverständlich. Dennoch wird zwangsläufig die Interaktion zwischen Arzt und Patient in der Rehabilitation mehr partnerschaftlich sein als in einer akuten lebensbedrohlichen Erkrankung. All dies zeigt sich besonders deutlich bei der koronaren Herzkrankheit: Der akute Herzinfarkt, Ergebnis einer langen, oft allerdings nicht erkannten Fehlentwicklung, führt den Patienten in eine absolut passive Situation auf der Intensivstation. In der Phase I der Konvaleszenz lernt der Kranke schrittweise gesteigert wieder den Umgang mit sich selbst. Die Botschaft, daß es möglich ist, das Leben trotz der chronischen koronaren Herzkrankheit froh zu leben, in ihm viel-
leicht sogar nun eine tiefere Erfüllung zu finden, ist wie in Exerzitien besser in einem Kreis Gleichgesinnter in gewisser Trennung von der gewohnten Umgebung zu erfahren. Damit stellt sich speziellen Rehabilitations-kUniken eine besondere Aufgabe; sie müssen ein besonderes, umfassendes Therapiekonzept anbieten. Allerdings werden noch allzu oft ihre Möglichkeiten zu einem falschen Zeitpunkt benutzt. Der richtige AugenbUck ist in der Rehabilitation immer so früh wie irgend möglich und nur so spät wie unumgänglich nötig: Gott Kairos eilt durch die Welt auf beflügelten Füßen; glücklich ist, wer ihn an seiner Stirnlocke fassen kann. Ist er vorbeigeeilt, kann ihn jedoch niemand mehr an seinem kahlen Hinterhaupt festhalten!
Die Beiträge des vorUegenden Buches lassen die besondere Bedeutung erkennen, die der kardiologischen Rehabilitationskhnik in der Therapiestraße zukommt, welche der Herzpatient von der Akutklinik bis zur Betreuung durch den Hausarzt und die ambulante Herzgruppe beschreiten kann. Ihre Aufgaben lassen sich nach unserer Ansicht kaum einer anderen Institution übertragen. Möge das Buch weite Verbreitung finden, damit Vorurteile abgebaut werden. Die Re-habihtationsklinik stellt keine Konkurrenz zur Akutklinik dar, sie erweitert vielmehr sinnvoll die spezielle Behandlung chronischer Erkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit und ihrer Folgen. Dem Herausgeber gebührt besonderer Dank.
Prof. Dr. med. Klaus Donat 1. Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für kardiologische Prävention und Rehabihtation e. V.