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VORWORT
Das Jahrzehnt seit der Einführung der ungarischen Wirtschaftsreform von 1968 hat abermals erwiesen, daß das Schicksal umfassender Wirtschaftsreformen im kommunistischen Machtbereich Osteuropas, die Bestimmung, Gestaltung und Entwicklung ihrer konstitutiven Elemente sowie die Verwirklichung ihrer Ziele entscheidend von den jeweils gültigen institutionellen, polltischen, ideologischen und sozio - ökonomischen Rahmenbedingungen abhängig sind. Zum richtigen Verständnis des Neuen Wirtschaftsmechanismus von 1968 (im weiteren abgekürzt: NWM) Ist daher die eingehende Untersuchung der genannten Rahmenbedingungen unerläßlich. Die bisherigen einschlägigen deutschsprachigen Veröffentlichungen, wie beispielsweise u. a. von Keszegh, Vajna und vom Verfasser selbst^ behandelten in erster Linie Aufbau und Funktionsweise des ungarischen Wirtschaftssystems. Die vorliegende Schrift dagegen soll Standort und Bedeutung des NWM von 1968 im Rahmen der osteuropäischen Wirtschaftsreformen bestimmen und das Institutionelle Grund-gefüge des ungarischen Wirtschaftssystems, die vorherrschende Politik der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (USAP)^ und die ideologischen und wirtschaftsideologischen sowie sozio-ökonomischen Grundlagen des NWM ausführlich untersuchen. Dabei richtet sich das besondere Augenmerk des Verfassers auf die Interaktionsströme Ideologisch-politischer und wirtschaftlicher Natur, die für die gültige konkrete Form und Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems ausschlaggebend sind.
Die Arbeit erscheint zu einem günstigen Zeitpunkt, da einschneidende Korrekturen am Grundkonzept des NWM - wie beispielsweise die Beschlüsse der Plenarsitzung (Plenum) der USAP vom November 1972 und des März-Plenums 1974, die Ablösung mehrerer namhafter Reformpolitiker in den Jahren 1974 und 1975 sowie die umfassende Neuordnung der sogenannten Wirtschaftsregulatoren zum 1. Januar 1976 - bereits erfolgt sind. Das erleichtert die exakte Bestimmung der Wesensmerkmale des gültigen ungarischen Wirtschaftssystems der unmittelbaren Gegenwart. Dabei wird es möglich, die morphologische Grundcharakteristik des NWM aufzuzeichnen und die Frage zu beantworten, ob es einfach eine Kopie der jugoslawischen sozialistischen Marktwirtschaft darstellt oder als ZwilIingsbruder des 1967 eingeführten und spätestens 1969/70 gescheiterten tschechoslowakischen Reformmodells einzuordnen ist oder aber ob ein wirklich neues Wirtschaftssystem, eine bisher unbekannte Mischungsvariante von plan- und marktwirtschaftlichen Elementen vorliegt.
1) Gy. Keszegh, Entwicklung des ungarischen Wirtschaftsmechanismus seit Einführung der Planwirtschaft, Mainz 1969 (Diss.); Th. Vajna, Die Reform der ungarischen Wirtschaftspolitik, Köln 1969 (Diss.); E. Antal, Das Wirtschaftslenkungssystem des ungarischen Sozialismus, München 1976.
2) Kommunistische Partei (KP) Ungarns.
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