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Grundlagen der Warenkunde. Die angewandte Naturwissenschaft hat zwischen Handel nnd Gewerlje mannigfaltige JJeziehungen geschaffen und die unschätzbaren Verdienste erworben, durch fortwährende Vervollkommnung die Entwicldiing der Industrie, die Verbesserung des Staates und den Kulturfortschritt der Menschheit ermöglicht und beschleunigt zu haben.i) Die erworbenen naturwissenschaftlichen Kenntnisse und ihre geeignete Verwertung sind die wichtigsten Grundsteine eines soliden Wiederaufbaues und einer gesunden Industriepolitik.
Der Siegeszug der modernen Technik wurde angebahnt, als der Forscher sein Wissen und Können in den Dienst der Allgemeinheit stellte. Während der Arzt Fr. Buonafede seit 1549 in Padua vorwiegend die pharmazeutische Warengruppe pflegte,, war es 1777—1806 Joh. Beckmann2), der die Grundlagen des technologischen Unterrichts legte, deren hoher Wert bis vor Schleiden^) nicht zur Geltung kam, da der Kontakt zwischen Theorie und Praxis fehlte.
Julius V. Wiesner hat in seinen Werken®) der Warenkunde die naturwissenschaftlichen Grundlagen gegeben. Zeitgenössischer Geistesarbeit ist es gelungen, diese Grundlagen zu verbreitern und die Spezialisierung einzelner Arbeitsgebiete für warenkundliche Zwecke auszugestalten.'') S. auch Literatur.
So ist die technische Mikroskopie zur wichtigsten Stütze der Warenkunde und zur unentbehrlichen Hilfswissenschaft einzelner ihrer Zweige geworden (Nahrungs- und Genußmitteluntersuchung, Textilindustrie, Metallographie) und ihre weitere Verwendbarkeit zum Studium der Oberflächenbeschaffenheit der Waren eröffnet Aussicht auf zufriedenstellende Eesultate.
Gleichzeitig konnten auch die Errungenschaften der Physik und Chemie in größerem Maße herangezogen werden, welche für die Entwicklung der technologischen Gesichtspunkte der Warenkunde so bedeutungsvoll geworden sind und dem heutigen Materialprüfungswesen bleibendes Gepräge gaben.®)
Die moderne Technologie und ihre Methoden vermögen durch Beschreibung der Arbeitsvorgänge und Zwischenprodukte eine scharfe Kermzeichnung dei' Waren zu geben, die im Verein mit der Bewertung, welche sich als Erfolg der Bearbeitung ergibt, der Warenkundlichen Forschimg neue Wege wies.")
W. Exner, Johann Beckmann, der Begründer der technologischen Wisfen-sehaften. Wien 1878.
-) J. Beckmann, Vorbereitung zur Warenkunde oder zur Kenntnis der vornehmsten ausländischen Waren, 1793. — Entwurf einer allgemeinen Technologie, 1806. — K. Karmarsch, Geschichte der Technologie, 1872. — Schleiden, Grundzüge der Avissenschaftliohen Botanik, IV. Aufl. 1861.
3) Technische Mikroskopie, 1867. — Die Rohstoffe des Pflanzenreiches, I. Auflage 1873, II. Auflage 1903, III. Auflage 1917. — Katur — Geist — Technik, 1910.
T. F. Hanausek, Technische Mikroskopie, 1901, und Dr. F. R. v. Höhnel, Technische Mikroskopie der Faserstoffe. Wien 1905. — Dr. V. Pöschl, Warenkunde, ihre Aufgaben und ihre Pflege. Hamburg 1918.
Vgl. Martens-Hinrichsen, Das Materialprüfungswesen, 1912.
") Vgl. die Lehrbücher von Ost, Neumann, Wichelhaus, Heuslcr u. a., die Chemische Technologie der Energien von v. Jüptner, die Technologie der landwirtschaftlichen Industrien vcn S. Feitier, die „Werkstoffe"'von P. Krais. Leipzig 1920.