Bővebb ismertető
Vorwort des Herausgebers
Fritz Künkel (1889—1956) gehört zu den bedeutenden Sdiöpfern psydiotherapeutisdier Theorien und Methoden. Man darf Paul Helwig zustimmen, daß seine »Fortbildung der Individualpsydiologie« Adlers »eine der fruditbarsten psydiologisdien Lehren unserer Zeit überhaupt« ist. Über die beengenden Einseitigkeiten Freuds und Adlers hinaus-sdireitend gestaltete der Berliner Arzt und Psydiotherapeut um 1930 innerhalb weniger Jahre eine selbständige Charakterologie, in weldier er Persönlidikeitsbilder und Reifungsaufgaben zusammenfaßte. Seine Hauptwerke weckten bei denen, die mit Menschen beruflich umgingen, besonders den Pädagogen, starkes Interesse und erreichten ohne laute Werbung viele umfangreiche Auflagen. Daß etwa seit einem Jahrzehnt die meisten seiner Bücher neu herausgebracht werden konnten und Anklang finden, beweist nicht nur, daß vielen die nach wie vor stark propagierte Psychoanalyse nicht genügt, sondern auch, daß Künkel gewisse Gesetze der pädagogischen und therapeutischen Psychologie grundsätzlich treffend und zeitunabhängig formuliert hat.
Ideen, die als wichtige Neuheiten im Verlauf der Entwicklung der Psychoanalyse gepriesen werden, wie die sog. »Ichpsychologie« und das Verhältnis Individuum—Gemeinschaft, waren für Künkel, wie für jeden philosophisch Geschulten, selbstverständlich. Beim strebenden, sich entfaltenden Subjekt (nicht beim Triebautomatismus) setzen seine Gedankengänge an, womit der Blick frei ist für den Horizont der Werte und des Lebenssinnes. Gerade das vorliegende Buch, das seinerzeit die Serie der systematischen Charakterstudien abschloß, ist besonders gesichts-punktreidi, was nun einmal das Verständnis des seelisch kranken Menschen erfordert.
Die Bedeutung der folgenden Seiten liegt darin, daß sie einmal wichtige persönliche Gedanken des Verfassers kurz zusammengefaßt präsentieren, zum anderen die klassischen Schulen der Psychotherapie von Freud, Adler, Jung und Kretschmer charakterisiert und kritisch beurteilt. Künkel beweist hier ein ungewöhnliches Maß an Überlegenheit und Ausgewogenheit und trägt so in produktiver Weise zur nach wie vor aktuellen Diskussion über die Systeme der Seelenheilkunde bei. Zugleich setzt er gegenüber den Überlegenheitsansprüchen der Psychoanalyse ein heilsames Gegengewicht.