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VORWORT DER HERAUSGEBER
Seit ihrem Beginn sucht die Soziologie zur Erkenntnis sozialer Gegenwartsprobleme beizutragen. Die Erforschung der gesellschaftlichen Tatsachen verlangt aber zugleich eine ständige Überprüfung des verwendeten analytischen Begriffsapparats. Denn die Versuchung, durch vereinfachende Schlagworte, einseitige Verallgemeinerungen und kritiklose Übernahme zeitbedingter Urteile sich selber in ideologisch verfängliche Positionen hineinzuverf!ihren, begleitet von allem Anfang die Forschungsarbeit der Soziologie. Aber nicht jeder Sachverhalt, auf den sie aufmerksam macht, ist deshalb mit einer Handbewegung ab-zutun; nicht jede ihrer Aussagen ist, weil sie der herrschenden Meinung widerspricht, als vorschnelle Verallgemeinerung zu erledigen, nicht jedes zeitbedingte Urteil unbesehen zu verwerfen. Gewiß kann keine Untersuchungstechnik, so ausgefeilt sie sein mag, und keine innere Anteilnahme am untersuchten Phänomen, so glaubhaft sie sein mag, der Soziologie die ständige Entscheidung abnehmen, daß ihre Sätze nachprüfbar, durch die wahrnehmbare Struktur der Phänomene begründet sein müssen. Aber die theoretischen Überlegungen der Soziologie sind stets auch über die bloße Feststellung dessen, was ist, hinausgegangen und haben zu einer problembewußten, verantwortlichen Stellungnahme aufgefordert. Der Gegenstand der Soziologie: die Gesellschaft mitsamt ihren Individuen, Gruppen und Institutionen, der Auseinandersetzung zwischen diesen und mit der Natur, ihre Geschichte und Kultur, ist einem Wandel unterworfen, an dem sie selbst teilhat. Ihre Probleme sind davon mitbetroffen: Die alten erscheinen in einem neuen Licht und die noch ungelösten der Gegenwart sind unter Umständen bloß die unhewältigten der Vergangenheit.
Angesichts dieser Grundsituation der Soziologie scheint den Herausgebern der »Soziologischen Texte« zweierlei erforderlich: daß möglichst breite Kreise von Interessierten an die Stellen herangeführt werden, an denen soziologisches Fragen in seiner besten Form gesellschaftlich und wissenschaftsgeschichtlich bedeutsam wurde, und daß zweitens gute Muster soziologischer Analyse und Argumentation vorgelegt werden, um so zu einer tiefer greifenden Schulung des modernen soziologischen Denkens zu verhelfen. Das Ziel der »Texte«: Information und didaktisches Heranführen an soziologische Interpretations-