Bővebb ismertető
Heinz Lüdecke Grünewald
«Ein Ausdruck unausgesprochenen und unsäglichen Leidens lag auf Lenins Gesicht. Ich war ergriffen, erschüttert. Vor meiner Seele stand das Bild eines gekreuzigten Christus des mittelalterlichen Meisters Grünewald » So berichtet Clara Zetkin von einer Begegnung in der härtesten Notzeit der jungen Sowjetrepublik. «Grünewalds Gekreuzigter ist der grausam zu Tode Gemarterte und Gequälte, der ,der Welt Sünden trägt'. Als solchen ,Jammermann' sah ich Lenin vor mir, belastet, durchbohrt von dem Gedanken an die Leiden und Opfer, die das russische Volk der Arbeit im Kampfe für seine Freiheit trug, tragen mußte, damit es über seine tückischen, skrupellosen Feinde triumphiere.»
Abgesehen von dem Wort «Jammermann», das Clara Zetkin irrtümlich für einen kunsthistorischen Terminus hielt, kann man Grünewalds Christustypus kaum treffender charakterisieren. Er ist in der Tat der Inbegriff «unsäglichen Leidens». Doch nicht, wenn dieses Paradoxon erlaubt ist, eines passiven Leidens. Dieser Gekreuzigte, von dem seit vier Jahrhunderten eine noch immer aktuelle Mahnung ausgeht, hat sich den Martern dargeboten, damit dereinst das Volk «über seine tückischen, skrupellosen Feinde triumphiere». Er ist der angenagelte Dulder der christlichen Tradition, aber auch der angeschmiedete Prometheus, der sich gegen die Götter aufbäumt und dessen Lichtbringeramt sich in der Isenheimer «Auferstehung» bestätigt.
Der Isenheimer Altar war 1917 aus Colmar im Elsaß nach