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J. SHERIDAN LE FANUJoseph Sheridan Le Fanu, als Abkömmling einer alten, nachIrland eingewanderten Hugenottenfamilie am 28. August 1814 inDublin geboren, schrieb schon als Kind Verse, als Vierzehnjähriger einlanges Gedicht, wurde zuerst von seinem hochgebildeten Vater unter-richtet und besuchte ab 1833 das Trinity College in Dublin. Im histo-rischen Zirkel dieser Universität war er bald allen in der Debatte über-legen. Noch Student, erschien er erstmals als Autor in dem damals ge-gründeten University Magazine". Seinem Redaktionsstab trat er 1837bei, blieb der Zeitschrift immer treu und wurde schließlich, 1869, ihrEigentümer und Herausgeber. Schon 1839 wurde er als Anwalt zuge-lassen, machte aber keine ernsthaften Anstrengungen, am Barreau Ruhmzu erwerben, und zog den Journalismus vor. Im selben Jahr kaufte erdie Dubliner Zeitung The Warder", bald darauf das Evening Packet"und erwarb später auch die Dublin Evening Mail". Diese drei Zei-tungen legte er in eine einzige zusammen: The Evening Mail", dieauch eine Wochenausgabe besaß. In der Politik war er ein eifriger Ver-fechter der konservativen Richtung. Dreißigjährig, heiratete er Susan,Tochter des angesehenen George Benett, und zog sich bei ihrem Tod,1858, vom gesellschaftlichen Leben zurück. Er galt als geschickter, er-folgreicher Journalist das war aber auch alles.Plötzlich änderte sich dieses Bild. Schon 1846 und 1847 hatte sichLe Fanu mit Geschichten aus Irland versucht anonym erschienen ,denen kein sonderlicher Erfolg beschieden war. Da kehrte er fünf Jahrenach dem Tod seiner Frau, 1863, als Schriftsteller wieder, diesmal untervollem Namen. Und er hatte Erfolg, großen Erfolg. Er, der zumeist imBett arbeitete und auf Papierfetzen mit Bleistift seine Sätze hinkritzelte,galt als Meister der Prosa, der das Kriminelle, das Schaurige bevor-zugte. Als er am 7. Februar 1873 starb, hatte dieses Schaffen den Um-fang von zwölf Bänden erreicht. Sein oft pessimistisch gefärbter Stilwird mit Hawthorne (Der scharlachrote Buchstabe") verglichen, in derErfindung, im Aufbau der Fabel stellte man ihn W. W. Collins, demberühmten Verfasser des Mondstein" und Freund Dickens', zur Seite.Aber die wenigsten wurden gewahr, daß er es im Schaurigen auchmit einem ganz anderen, mit Edgar Allan Poe, getrost aufnehmenkonnte, ja daß er diesen François Villon Amerikas an Geschicklichkeit,die Atmosphäre des Schauerlichen zu verbreiten, noch übertraf.