Bővebb ismertető
Was ist Sprache eigentlich?
Wir sprechen mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der wir atmen, essen oder gehen. Die Sprache scheint mühelos aus uns herauszufließen, wenn wir ihrer bedürfen, und nur wenn der Augenblick oder eine Krankheit sie uns „verschlagen", wenn wir „nach Worten ringen" oder erbarmend vor dem Stummen stehen, der außerhalb unseres Kreises bleibt, weil sie ihm fehlt - nur, wenn wir hilflos vor Situationen der Sprachlosigkeit stehen, ahnen wir, wieviel es mit ihr auf sich hat.
Sprache ist mehr als Gebärde. Seit mehreren Jahrhunderten mühen sich Denker und Gelehrte, die Wirkung der Sprache zu beschreiben und ihr Wesen zu ergründen. Sprache ist mehr als Geste oder Gebärde. Ich kann zwar etwas bekunden, indem ich die Achseln zucke, die Augen bedeutungsvoll auf- oder beschämt niederschlage, den Kopf schüttele oder nicke, aber ,,Sprache" ist das so wenig wie die Überreichung einer Rose, eines Vergißmeinnichts, einer Immortelle oder die Stellung einer Briefmarke, die, schief oder verkehrt aufgeklebt, dem verstehenden Empfänger dies oder das mitteilt. Das alles „sagt" nicht mehr aus als eben das eine, das man ihm auftrug. Blumen- und Zeichen,,spräche" sind - das fühlt jeder - nur bescheidene, begrenzte AusdrucksmögUchkeiten. Sie bieten sich an, wenn die ,,natürliche" Sprache aus irgendwelchen Gründen versagt: vielleicht soU das, was da übermittelt wird, geheim bleiben, nur dem eingeweihten Partner verständhch, oder der Mund vermag das, was das Herz doch so gerne mitteilte, nicht in Worte zu fassen. Wer Taubstumme beim ,,Gespräch" beobachtet, staunt darüber, wie schnell und ausdrucksvoll sie ihre Gebärden formen, wie gut sie einander verstehen, wie rasch sie sich antworten. Aber er spürt bedrückt, daß diesem Ersatz das Beste fehlt.
Sprache ist mehr als Laut. Augenscheinlich rückt der Laut jene Zeichen-öder Blumenbekundung, von denen wir gerade sprachen, hinter die wirkliche, eigentliche Sprache. Ihr Gegensatz heißt: Stummsein. Wenn man lautlosen Dingen (Gebärden, Blumen, Briefmarken) eine Bedeutung unterlegt, kann man sich zur Not wohl mit ihnen verständigen, aber im Grunde sind solche ,,Verlautbarungen" Zauberkünste wie Fahren oder Fliegen, künstlicher Ersatz für einen natür-hchen Vollzug. Der gesunde Mensch hat die Fähigkeit, den Atem, mit dem er sich die Lunge füllte, als Sprechstrom zu nutzen und mit Hilfe der Stimmbänder hörbar zu machen. Wenn wir vor Schmerz oder Freude schreien, tun wir nicht mehr. Aber der Schrei, der nicht geformte („unartikulierte") Laut, ist noch nicht Sprache. Wir gestalten ihn, indem wir Zunge, Lippen und Unterkiefer und das „Zäpfchen" in der Kehle, das den Mundraum von den Stimmbändern trennt, in verschiedener Weise bewegen; dabei können wir den Sprechstrom durch den Mund oder die Nase leiten. Im einzelnen sind das schwierige Verrichtungen : wir pressen die Lippen aufeinander oder stülpen sie vor; gleichzeitig berühren wir mit der Zungenspitze die Oberkieferzähne oder rollen die Zunge auch ganz ein; wir öffnen den Mund weit oder
ir