Bővebb ismertető
Jn den LeserJeder Erwachsene beherrscht einen mehr oder weniger großen Wortschatz, er hat auf der Schule die Grundregeln der Rechtschreibung und der Grammatik erlernt, er liest Tag für Tag seine Zeitung, schreibt Briefe, spricht und telefoniert mit Bekannten und Geschäftspartnern. Aber bedeutet dies, daß er wirklich zu lesen, zu schreiben, zu reden versteht? Schreibt er orthographisch fehlerfrei, grammatisch richtig, stilistisch sauber? Versteht er es, einen Geschäftsbrief zu verfassen, der die beabsichtigte Wirkung erzielt, ein Gespräch zu führen, das den Partner überzeugt, einen Vortrag zu halten, der das Wesentliche kurz und prägnant aussagt? In allen diesen Bereichen kommt es auf einen guten, sauberen, flüssigen Stil" an. Stil in der Sprache bedeutet die Einheit von Form und Inhalt der Aussage, gestaltet von der Persönlichkeit des Verfassers oder Redners, gerichtet an einen bestimmten Empfänger.Ist denn Stil lehr- und lernbar? Das mag bezweifeln, wer den anspruchsvollen, eigenwilligen Stil eines Dichters oder Schriftstellers im Auge hat, der aus Worten, Sätzen und Wortbildern ein kunstreiches Gewebe herstellt. Wir denken jedoch vor allem an die zahlreichen sprachlichen Aus-drucksformen, mit denen jeder Mensch täglich zu tun hat, ob er am Schreibtisch sitzt und Briefe diktiert, als Verkäufer dem Kunden eine Ware anbietet, als Kaufmann Verhandlungen mit einem Geschäftspartner führt oder als Ratsherr im Gemeinderat während der Debatte das Wort ergreift. Wer gut reden und schreiben will, muß zunächst bestimmte Formgesetze beherrschen. Manche dieser Gesetze lassen sich als Regel erlernen oder sogar ,,eintrichtern", ein größerer Teil muß und kann durch ständige Stilschulung und durch Schärfung des Sprachgefühls erschlossen werden. Professor Lutz Mackensen und seine Mitarbeiter wenden sich mit diesem Buch an alle Lernwilligen, an die Könner und an die Anfänger, an die letzten vor allem. Eine besondere Vorbildung ist nicht notwendig. Wer das Buch durcharbeiten will, sollte sich zunächst seine Gliederung klarmachen. Es umfaßt vier Hauptteile. In dem einleitenden Teil (S. 23 bis 127) durchwandern wir mit dem Herausgeber alle Bereiche der deutschen Sprache, die für die Praxis des Schreibens und Sprechens Bedeutung haben. Auf viele Einzelfragen dieses Teils wird später immer wieder zurückgegriffen; je sorgfältiger man ihn liest, desto mehr Gewinn wird die weitere Lektüre bringen.Bildet der erste Teil des Buches die Hauptstraße" auf unserem Weg zum guten Stil, so gelangen wir bald an eine Wegegabel, wo wir uns für die eineWas ist Sprache eigentlich?Wir sprechen mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der wir atmen, essen oder gehen. Die Sprache scheint mühelos aus uns herauszufließen, wenn wir ihrer bedürfen, und nur wenn der Augenblick oder eine Krankheit sie uns verschlagen", wenn wir nach Worten ringen" oder erbarmend vor dem Stummen stehen, der außerhalb unseres Kreises bleibt, weil sie ihm fehlt - nur, wenn wir hilflos vor Situationen der Sprachlosigkeit stehen, ahnen wir, wieviel es mit ihr auf sich hat.Sprache ist mehr als Gebärde. Seit mehreren Jahrhunderten mühen sich Denker und Gelehrte, die Wirkung der Sprache zu beschreiben und ihr Wesen zu ergründen. Sprache ist mehr als Geste oder Gebärde. Ich kann zwar etwas bekunden, indem ich die Achseln zucke, die Augen bedeutungsvoll auf- oder beschämt niederschlage, den Kopf schüttele oder nicke, aber Sprache" ist das so wenig wie die tJber-reichung einer Rose, eines Vergißmeinnichts, einer Immortelle oder die Stellung einer Briefmarke, die, schief oder verkehrt aufgeklebt, dem verstehenden Empfänger dies oder das mitteilt. Das alles sagt" nicht mehr aus als eben das eine, das man ihm auftrug. Blumen- und Zeichensprache" sind - das fühlt jeder - nur bescheidene, begrenzte Ausdrucksmöglichkeiten. Sie bieten sich an, wenn die natürliche" Sprache aus irgendwelchen Gründen versagt: vielleicht soll das, was da übermittelt wird, geheim bleiben, nur dem eingeweihten Partner verständlich, oder der Mund vermag das, was das Herz doch so gerne mitteilte, nicht in Worte zu fassen. Wer Taubstumme beim Gespräch" beobachtet, staunt darüber, wie schnell und ausdrucksvoll sie ihre Gebärden formen, wie gut sie einander verstehen, wie rasch sie sich antworten. Aber er spürt bedrückt, daß diesem Ersatz das Beste fehlt.Sprache ist mehr als Laut. Augenscheinlich rückt der Laut jene Zeichenoder Blumenbekundung, von denen wir gerade sprachen, hinter die wirkliche, eigentliche Sprache. Ihr Gegensatz heißt: Stummsein. Wenn man lautlosen Dingen (Gebärden, Blumen, Briefmarken) eine Bedeutung unterlegt, kann man sich zur Not wohl mit ihnen verständigen, aber im Grunde sind solche Verlautbarungen" Zauberkünste wie Fahren oder Fliegen, künstlicher Ersatz für einen natürlichen Vollzug. Der gesunde Mensch hat die Fähigkeit, den Atem, mit dem er sich die Lunge füllte, als Sprechstrom zu nutzen und mit Hilfe der Stimmbänder hörbar zu machen. Wenn wir vor Schmerz oder Freude schreien, tun wir nicht mehr. Aber der Schrei, der nicht geformte (unartikulierte") Laut, ist noch nicht Sprache. Wir gestalten ihn, indem wir Zunge, Lippen und Unterkiefer und das Zäpfchen" in der Kehle, das den Mundraum von den Stimmbändern trennt, in verschiedener Weise bewegen; dabei können wir den Sprechstrom durch den Mund oder die Nase leiten. Im einzelnen sind das schwierige Verrichtungen: wir pressen die Lippen aufeinander oder stülpen sie vor; gleichzeitig berühren wir mit der Zungenspitze die Oberkieferzähne oder rollen die Zunge auch ganz ein; wir öffnen den Mund weit oder: , f . V'. i i '