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Das Haus der weißen Sarongs
Jess Montgomery saß in einem Flugzeug, das nach Westen schwebte, dem Sonnenuntergang entgegen. Der Mann neben ihr, der einen giftfarbenen Drink umklammert hielt, musterte sie eindringlich, ein für allemal, damit er keinen Gedanken mehr an sie verschwenden mußte; denn sie war hübsch, aber ziemlich unscheinbar.
Sie sah hinunter auf ihre kräftigen, kantigen Hände. Es waren die Hände einer Heilerin, einer Frau, die ihre Tage in feuchten Räumen mit rostigem Blutgeruch verbrachte, einer Frau, deren Sprache der Jargon der Operationen, der Einschnitte und Austreibungen war. Sie lächelte, als ihr wieder dieser hübsche, bocksbeinige Retriever einfiel, der während der Operation aufgewacht war und sie ins Handgelenk gebissen hatte, während seine Geschlechtsteile wusch-wusch den Abfluß hinuntergespült wurden. Ihre Wunde war verheilt, während seine verheilte. Oder dieser sterbende Siamkater, sein Endgesicht, das in seinem Käfig auf sie wartete, die Augen blitzend wie Nadeln, distanziert bis zuletzt, als Jess ihm feierlich den Kopf hielt. Manche waren wie Menschen: Scheinschwangerschaften, bösartige Brusttumore, Selbstmordversuche. Sie heilte sie und benutzte sie, ihre Geduld, ihre Resignation, hoffend, die Kraft dieser Tiere würde eindringen in das undurchdringliche Etwas ihres Lebens. Manchmal lehnte sie den Kopf an einen Käfig und Heß sich treiben. Man kann leben, ohne zu denken.
Manchmal, wenn sie sich gehenließ, dachte sie an ihren Ex-Mann und daran, wie sie gegen Ende ihrer Beziehung jedesmal, wenn sie mit ihm schlief, hinterher das Gefühl hatte, den Tod gestreift zu haben. Oder sie dachte an ihn und ihre Tochter, an dieses Gespann, aus dessen Welt sie ausgeschlossen war, und wie sie an dem Tag, als sie das begriff, aus dem Haus wankte, hinaus auf die Straße, hinein in die Menschenmassen, in Dämmerung und Dunkelheit und Nichts. In manchen Nächten saß sie, nachdem ihre Mitarbeiter gegangen