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Vorrede zur dritten Auflage.
T\ie erste Auflage des Handbuches der Sexualwissenschaften erschien 1912, -L' die zweite 1921. Sie stellte nur einen Neudruck der ersten dar, enthielt allerdings noch einen besonderen Anhang über die Pubertätsdrüsei
Die Grundlagen und die Einteilung des Stoffes sind in der dritten Auflage im wesentlichen nicht geändert. Der zehnte und elfte Hauptabschnitt sind in einen vereinigt. Der Verfasser der beiden früheren Abschnitte, Herr Prof. Dr. Seved Kibbing in Lund, hatte diesen- Abschnitt in zwei geteilt, deren einen er als »Sexuelle Ethik« von dem zweiten, »Sexuelle Aufklärung, Pädagogik und Erziehung« getrennt hatte. Die Zusammenfassung dieser Fragen in einem Hauptabschnitt durch Herrn Dr. Jessner in Königsberg i. Pr. ist an sich nur formaler Natur. Die Bearbeitung durch Herrn Dr. Jessner stellt aber, unabhängig davon, auch sachlich eine vollkommen neue Einstellung dar. Der Heimgang Ribbings, dieses ausgezeichneten Mannes, dieses von höchster Sittlichkeit getragenen Arztes, ist ein Verlust nicht nur für die Wissenschaft, sondern für jeden, der ihn kannte. Er war ein auf hoher Warte stehender Forscher und Ethiker. Sein Heimgang erfolgte am 14. Februar 1921.
Der frühere siebente Hauptabschnitt ist in zwei Hauptabschnitte zerlegt, deren einen ich, deren anderen Herr Dr. Max Marcuse in Berlin bearbeitet hat. Das Kapitel über Psychopathia sexualis hatte ich in der ersten und zweiten Auflage gemeinsam mit Herrn Havelock Ellis bearbeitet. Leider mußten wir infolge seines Gesundheitszustandes auf die Mitwirkung des Herrn Havelock Ellis verzichten. Infolgedessen habe ich den zweiten Hauptabschnitt die »Psychologie des normalen Geschlechtstriebes« übernommen, während der früher von mir bearbeitete Teil »Neuropathia sexualis« zu einem selbständigen Hauptabschnitt und von Herrn Dr. Max Marcuse bearbeitet viTirde.
Der von Herrn Prof. Dr. Zieler früher allein verfaßte Hauptabschnitt über Geschlechtskrankheiten wurde diesmal von ihm gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. ScHÖNFELD in Greifswald bearbeitet.
Sonst sind grundlegende Änderungen nicht eingetreten; nur haben wir versucht, das Werk dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft anzupassen. Text und Bildermaterial sind gegenüber den beiden früheren Auflagen vermehrt worden.
Die erste Auflage enthielt im Anhang »Statistisches über die Beschäftigung von Ärztinnen« und »Polizeiliche Bestimmungen für die eingeschriebenenProstituierten in Berlin«. Der zweiten Auflage hatte ich noch einen Anhang »DiePubertätsdilise« hinzugefügt. Dieser erübrigte sich diesmal, da Herr Prof. Dr. Richard Weissenberg alles was sich auf diese Fragen bezieht, im ersten Hauptabschnitt beriick-sichtigt hat. Der zweite Anhang über die polizeilichen Vorschriften für Berliner Prostitutierte ist auch in dieser Auflage geblieben, während der erste, »Statistsches über die Beschäftigung von Ärztinnen «fortgefallen ist. Die Statistikist zwar nicht überholt, liegt aber in der Zeit schon etwas zurück. Die Richtigkeit der damaligen Ausführungen und meiner großen Statistik ist dadurch nicht nur nicht berührt.