Bővebb ismertető
I. DIE ERFORSCHUNG DER JUNGSTEINZEIT
A. BIS ZUM ERSTEN WELTKRIEG
Die Erkenntnis, daß die Jungsteinzeit, das Neolitliikum, einen besonderen Abschnitt der frühen Menschheitsgeschichte darstellt, der sich kulturell gleicherweise von dem zeitlich Vorangehenden wie dem Nachfolgenden abhebt, erwuchs im mittleren Drittel des vorigen Jahrhunderts aus Forschungen und Beobachtungen, die von verschiedenartigen Fundmaterialien ausgingen.
Zunächst wurde die seit alters vertretene Ansicht, wonach vor Erfindung der Metallverarbeitung die Menschen nur Steingeräte gekannt hätten, auf die allgemeine Kennzeichnung und zeitliche Beurteilung der in steigendem Umfang zum Vorschein kommenden Bodenfunde übertragen.' Dabei ergab sich, daß Steingeräte in der Regel mit bestimmten anderen Fundtypen vergesellschaftet und mit bestimmten Grabformen verbunden sind, die sich insgesamt von denen unterscheiden, die durch das Auftreten von Bronzegeräten charakterisiert sind. Chr. Thomsen, Direktor des Dänischen Nationalmuseums, definierte an Hand des einzigartig reichen Fundbestandes dieser Sammlung erstmalig ein empirisch begründetes Dreiperiodensystem (im Druck erschienen 1836).^ Unabhängig davon kam J. F. Danneil, Gymnasialrektor in Salzwedel, auf Grund altmärkischer Ausgrabungsbefunde zu einer ähnlichen Stufenabfolge.® Waren es in Dänemark und Norddeutschland vor allem Gräber, deren Beigaben zur Herausstellung einer Steinzeit führten, so traten in den fünfziger Jahren die schweizerischen Pfahlbaustationen als Siedlungsplätze hinzu.^ Bei ihnen konnte F. Keller darauf hinweisen, daß einige keine Bronzegeräte, sondern außer Keramik, Holz- und Beingegenständen nur Steingeräte enthielten, so daß man sich auch hier Hinterlassenschaften einer Steinzeit gegenübersah.
Der zweite Ansatz für die Umschreibung einer Jungsteinzeit war die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts erfolgte Entdeckung einer diluvialen Steinzeitkultur (s. Bd. I S. 1 ff.), deren artefaktmorphologisch-kulturelle und zeitliche Abgrenzung von der in den nordischen Gräbern und den schweizerischen Pfahlbauten erfaßten Steinzeit evident war. Als ergologische und technologische Kennzeichen dieser Jungsteinzeit im Gegensatz zur diluvialen Altsteinzeit wurden Steinschliff und -durchbohrung sowie Keramik herausgestellt (,,Zeit des geschliffenen Steins", gegenüber der,,Zeit des geschlagenen Steins"), in ökonomischer Hinsicht die Kenntnis von Tierhaltung und Pflanzenanbau, die aus Haustierknochen und verkohlten Getreidekörnern der stein-
' Vgl. H. Hildebrand, Verh. Berliner Anthr. Ges.1886, Gebiet bist, antiqu. Forsch. 2, 1836, 544if.; ders., Jber.
357ff-; s. Müller, Nordische Altertumskunde I (1905) Altmärk. Ver. Vaterl. Gesch. Industrie 1838, 3iff. -
2i7ff.; H. Mötefindt, Mannus 2, 1910, 294ff.; G. Kos- Dabei ist nicht von entscheidender Bedeutung, daß so-
smna, ebd. 309 ff.; K.H.Jacob-Friesen, Grundfragender wohl Thomsen als auch Danneil Funde als repräsen-
Urgeschichtsforschung (1928) 107f.; H. Seger, Sehn- tativ für die Steinzeit ansahen, die nach unserer heuti-
macher-Festschrift (1930) 3 ff.; H. Gummel, Forschungs- gen Einteilung kupferzeitlich sind, und ein Teil der da-
geschichte in Deutschland (1938) 164 fr. mals als bronzezeitlich betrachteten Funde nach unseren
^ LedetraadfornordiskOldkyndighed (1836), deutsch: heutigen Begriffen der Früheisenzeit angehört.
Leitfaden zur nordischen Altertumskunde (1837). •'Keller, 1. Pfahlbaubericht, Mitt. Antiqu. Ges. Zü-
^ Danneil, Generalbericht über Aufgrabungen in der rieh 9,2 H. 3 (1854); ders., 2. Pfahlbauber., ebd. 12
Umgegend von Salzwedel, in: Förstemanns Neue Mitt. (1858).
1 Milllei-Karpe, Handbuch II