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ITALIEN
EINFÜHRUNG
Für Italien war die Nachkriegszeit eine Erfolgsgeschichte. 1945 besiegt, gedemütigt und demoralisiert, hat das Land gut vierzig Jahre später eine positive Wirtschaftsentwicklung hinter sich und zählt zu den führenden ndustrienationen der Welt. Die Christdemokratische Partei ging aus den Wahlen stets als stärkste Fraktion hervor und war in allen der fast fünfzig Regierungen seit Kriegsende vertreten. Anfangs führte sie breit angelegte Koalitionen, an denen auch die Kommunistische Partei beteiligt war; allerdings wurde diese in der Zeit des Kalten Krieges 1947 ausgebootet und sitzt seitdem - abgesehen von einer kurzen Regierungsbeteiligung in den siebziger Jahren - in der Opposition. 1963 blickten die Christdemokraten erneut nach links und nahmen unter der Formel centro-sinistra (Mitte-Links) Sozialisten in eine Koalition auf; den Weg dazu hatten sie ein Jahr zuvor durch die Verstaatlichung der Strombetriebe geebnet. In jüngerer Zeit mußten die Christdemokraten zwar den Posten des Regierungschefs zweimal an kleinere Koalitionspartner abtreten - 1981-82 übernahm ihn der Republikaner Giovanni Spadolino, 1983-87 der Sozialist Bettino Craxi -, aber die wichtigen Ministerien blieben stets in ihrer Hand. Mehrere Christdemokraten saßen schon wiederholt in der Regierung. Obwohl der Partei Manipulation und Korruption vorgeworfen wurden, sorgte sie für tiefgreifende Kontinuität und Stabilität, so daß sie auch stark genug war, den terroristischen Attacken während der siebziger Jahre zu widerstehen. Ende der achtziger Jahre sind die Christdemokraten erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ernsthafter Konkurrenz ihres aggressiven Koalitionspartners, Craxis Sozialisten, ausgesetzt, die auch für die Kommunisten eine Herausforderung darstellen. Nach wie vor zweitstärkste Partei, haben die Kommunisten seit der Lockerung ihrer Abhängigkeit von Moskau und dem Tod von Enrico Berlinguer 1984 an Profil verloren.
Wirtschaftliche Leistung
Die Wirtschaft entwickelte sich in diesem politischen Rahmen - einige sagen: trotzdem. Drei Phasen lassen sich unterscheiden. Zuerst kam die Hilfe durch den Marshall-Plan und der Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Wirtschaft - das bis in die sechziger Jahre reichende »italienische Wirtschaftswunder«. Dann folgte eine stürmische Zeit, geprägt durch die gesellschaftlichen und industriellen Unruhen der späten sechziger, die beiden Ölkrisen der siebziger - wodurch die Inflationsrate 1980 auf 20 % stieg - und die Rezession der frühen achtziger Jahre. Zu der folgenden starken Erholung trug bei, daß die Ölpreise ebenso sanken wie der Dollarkurs und die Inflation - wenngleich auf Kosten einer hohen Arbeitslosenquote - eingedämmt werden konnte. 1987 rühmte sich Italien, mit dem Wert seines BIP an Großbritannien vorbeigezogen zu sein und nur knapp hinter Frankreich zu liegen - allerdings sei erwähnt, daß diese Rechnung einen Schätzwert enthielt, der die gewaltige Schattenwirtschaft Italiens repräsentierte.
Unausgeglichen mit Schieflagen
Zweifelhaft erscheint allerdings, ob die italienische Wirtschaft auf den Binnenmarkt 1992 gut vorbereitet ist. Erstens fehlt es ihr an Ausgegli-