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Das Gleichgewicht
In unserer Kindheit wuchsen wir in dem Bewußtsein auf, daß wir ruhig schlafen könnten, weil jene, die die Geschicke der Völker lenken, damit befaßt seien, das europäische Gleichgewicht zu bewahren. Nun, wir sdilie-fen auch ruhig, und siehe da: es kam alles ziemlich anders. Man könnte sich ein Beispiel an Wiesenau nehmen; die Leute dort wußten, wie man das Gleichgewicht bewahrt.
Wiesenau war allein schon durch die Tatsache berühmt, daß es zwei evangelische Kirchen beherbergte. Eine für den deutschen Teil der Gläubigen, diesen nannte man die deutsche Gemeinde. In die andere Kirdie ging der slowakische Teil der Gläubigen, und dieser hieß, man lächle nicht, die ungarische Gemeinde. Beide Kirdien hatten je einen Pfarrer, je einen Pfarrhof und je einen Kirchenwart.
Eines Tages beschloß der Bischof, unter anderem audi Wiesenau einen Besuch abzustatten. Solch ein bischöflicher Besuch war eine große Sache, denn wenn sich irgendwo in den Pfarren Fehler herausstellten, dann konnte sich Gottes sanfter Oberpriester in Blitz und Donner verwandeln. Andernteils war es ja stets eine Ehre, den Bischof als Gast zu haben, und alle Kirchen wetteiferten darin, den Kirchenfürsten glänzend zu bewirten. Der Brief, der seine Ankunft verkündete, traf
in Wiesenau ein. Der Bischof sollte nidit nur für einen ^'
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