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EINLEITUNG
Hebr gehört nach wie vor zu den großen Rätseln des NT: Die Hintergründe seiner Entstehung sind nicht vollends aufgehellt, seine theologische Denk- und Argumentationsweise wird sehr unterschiedlich beurteilt, die Auslegung ist weithin von gegenläufigen Anschauungen bestimmt. Dennoch kommt in der neueren Forschung immer deudicher auch das besondere Profil dieser Schrift und das ungewöhnliche theologische Format des Vf in den Blick: Er versucht im Wandel der geschichtlichen Situation, das alte Bekenntnis neu zu sagen und legt so im Hebr ein »Muster theologischer Hermeneutik« (E. Gräßer) vor.
Diese Hinweise zeigen die Grenzen und Chancen einer Auslegung des Hebr: Sie wird auch heute noch durch viele offene Fragen belastet sein, kann aber eine ungewöhnliche und in manchen Bezügen hochaktuelle Stimme des NT zum Klingen bringen.
1. Hebr als »Mahnrede«
a) Unsere Schrift läuft kanonisch unter dem Titel »Hebräer^rze^<, ist aber vom literarischen Genus her keinesfalls als Brief einzustufen. Zwar mit einem an die Paulusbriefe erinnernden Abschluß versehen (13'^""), fehlt ihr v. a. die in der Andke übliche Briefeinleitung (Präskript). Die zumeist generelle Argumentadonsweise, die hohe Reflexionsstufe der Ausführungen, der kunstvolle Gesamtaufbau und die anspruchsvolle literarische Sprachgestalt weisen Hebr auch eher als Lehrschrift denn als Brief aus. Vf selbst ist zudem ganz offensichtlich darum bemüht, seine Ausführungen nicht als »Schreiben«, sondern als »Rede« zu qualifizieren (vgl. etwa 5" 6' 8' 11" 13") und bezeichnet die Schrift in 13" als »Mahnrede« (gr. logos tes parakleseos). Da diese Formel in Apg 13" den Lehrvortrag der jüdisch-hellenisd-schen Synagoge benennt, wird man Hebr am besten als »Homilie« oder genauer als »zugesandte Predigt«, verstehen dürfen. Das heißt: Vf, der mit dem Hebr seinen in 13'^"" angekündigten Besuch bei den Adr vorbereiten will, orientiert sich für sein Schreiben offenbar bewußt am Genus der Synagogenpredigt. Er qualifiziert dieses so von vornherein als ganz von der Autorität der Schrift getragene »Lehre« und verleiht ihm schon von der Gattung her erhebliches theologisch-paränetisches Gewicht. Zugleich bringt die Form der Homilie den Hebr entschieden mit der Gemeindeversammlung in Verbindung: Er ist als gottesdienstliche Schriftauslegung der Gemeinschaft der Adr insgesamt zugeordnet, soll offenbar im Gemeindegottesdienst verlesen und von allen gemeinsam bedacht werden.
b) Wenn Vf mit dem Sdchwort »Mahnrede« in 13" auch seine Aus-