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1, Kapitel Bei Mutter BarberinIch bin ein Findelkind. Bis zu meinem achten Jahre glaubte ich freilich, wie alle andern Kinder eine Mutter zu haben; denn wenn ich weinte, war eine Frau da, die mich zärtlich in ihre Arme sdiloß und mich herzte, bis meine Tränen zu fließen aufhörten. Nie schlief ich ein, ehe sie mir den Gutenachtkuß gegeben, und wenn der Dezemberwind den Schnee gegen die vereisten Scheiben peitschte, nahm sie meine Füße zwischen ihre beiden Hände, um sie zu wärmen. Dabei pflegte sie ein Lied zu singen, dessen Melodie mir noch heute gegenwärtig ist, selbst an einige Worte des Textes kann ich mich erinnern.Wurde ich von einem Gewitterregen überrascht, während ich unsere Kuh auf den grasbewachsenen Wegen oder auf der Heide hütete, dann eilte sie mir entgegen, um ihren wollenen Rock schützend über mich auszubreiten, und wenn ich mit einem meiner Kameraden Streit gehabt hatte, durfte ich ihr meinen Kummer klagen, und fast immer wußte sie mich mit guten Worten zu trösten und mir recht zu geben. All das ließ mich glauben, daß sie meine Mutter sei, bis ich dann auf folgende Weise die Wahrheit erfuhr:Das Dorf, in dem ich aufwuchs, heißt Chavanon und ist eines der ärmsten in Mittelfrankreich. Diese Armut hat ihren Grund nicht etwa in der Gleichgültigkeit oder Faulheit seiner Bewohner, sie ist bedingt durch die Unfruchtbarkeit der betreffenden Gegend. Da es an den erforderlichen Düngemitteln fehlt, gibt es in diesem öden, mit Heidekraut und Ginster bewachsenen Landstrich nur sehr wenig kultivierten Boden. Selbst die Bäume sehen hier kümmerlich aus, weil die rauhen Winde, die über die Hochfläche streichen, sie in ihrem Wachstum behindern. Wer dort schöne Bäume sehen will, muß schon in die Talsenken hinuntersteigen, wo an den Ufern der Bäche