VorwortNein: Heinrich Boll war nicht der >gute Mensch von Köln< und auch nicht das >Gewissen der Nation<. Er war kein praeceptor Germaniae wie Walter Jens und ebenso wenig Moralist im Stile eines Günter Grass. Er hat sich, im Unterschied zu Martin Walser, zu keinem Zeitpunkt dazu verstanden, für die Zeitung einer kommunistischen Partei Kommentare zu schreiben, und er war, obwohl gläubiger Katholik, durchaus kein >ka-tholischer Schriftsteller<. Alle diese Bezeichnungen -oder sagen wir richtiger: Klischees - finden sich allenthalben und immer wieder, wenn von Heinrich Boll die Rede ist. Doch keines von ihnen wird ihm gerecht.Gewiss: Heinrich Boll hat sich eingemischt. Doch er tat dies stets auf eigenes Risiko, auf eigene Verantwortung und im eigenen Namen. Er ließ sich zu keinem Zeitpunkt als Repräsentant vereinnahmen. Und eben deshalb kam der einst bekannteste deutsche Autor als offizieller deutscher Dichter auch nicht in Betracht, wie Theodor W. Adorno treffend bemerkte. Boll war, wie er selbst gelegentlich eingeräumt hat, ein Einzelkämpfer - ein Begriff, der eine Haltung bezeichnet, keine Position.
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