Bővebb ismertető
1 Allgemeine Grundlagen
1.1 Zur Entstehung der Erzählungen
Während die Entstehungsgeschichte der Kleistschen Dramen relativ gut dokumentiert ist, hegen zur Entstehung seiner Erzählungen lediglich einige wenige Bemerkungen in Briefen vor. Nicht eine Handschrift ist überliefert. Selbst die Chronologie der acht Erzählungen ist umstritten. Wir kennen nur die Erscheinungsdaten der Erstdrucke. Sechs der acht Erzählungen wurden von Kleist zwischen 1807 und 1811 in Zeitschriften veröffentlicht:
1. Jeronimo und Josephe. Eine Szene aus dem Erdbeben zu Chili, von 1647 im »Morgenblatt für gebildete Stände«, 10.-15. September 1807;
2. Die Marquise von O im »Phöbus«, 2. Heft, Februar 1808;
3. Michael Kohlhaas {\.V\me\) im »Phöbus«, 6. Heft, Juni 1808;
4. Das Bettelweib von Locarno in den »Berhner Abendblättern«, 11. Oktober 1810;
5. Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Eine Legende in den »Berliner Abendblättern«, 15.-17. November 1810;
6. Die Verlobung in St. Domingo in »Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser«, 25. März-5. April 1811.
Da bekannt ist, daß Kleist keine Manuskripte ansammelte, sondern sie möglichst sofort nach Abschluß zu publizieren suchte, ist nicht anzunehmen, daß die Entstehung der Erzählungen erheblich früher als ihre Veröffentlichung zu datieren ist. Wir können vielmehr davon ausgehen, daß Kleist die acht Erzählungen zwischen 1806/7 und 1811 geschrieben hat. Jeronimo und Josephe schickte er jedenfalls 1807 von Fort Joux im französischen Jura, wo er in französischer Kriegsgefangenschaft einsaß, an seinen Freund Rühle; die Marquise von O . . . brachte er selbst nach Dresden zurück. Besonders viele Spekulationen hat der Michael Kohlhaas ausgelöst. Man hat in der Forschung drei oder gar vier Entstehungsphasen unterscheiden wollen (vgl. Wächter 1918; Gassen 1920). Sicher ist jedoch nur, daß das Fragment im Juni 1808 erschien und die vollständige Fassung im ersten Band der Buchausgabe der Erzählungen, der im September 1810 auf den Markt kam. Am 10. Mai 1810 schickte Kleist das Fragment mit folgender Bemerkung an den Verleger Reimer: »[ich] denke, wenn der Druck nicht zu rasch vor sich geht, den Rest, zu rechter Zeit, nachhefern zu können« (Sbd. 7, S. 85).
Diese Äußerung legt die Vermutung nahe, daß zu diesem Zeitpunkt nur das Fragment vorlag, wenn auch höchstwahrscheinlich bereits bearbeitet, und Kleist »den Rest« zwischen Mai und August 1810 schrieb.
Der erste Band der Erzählungen enthielt den Michael Kohlhaas (Aus einer alten Chronik), Die Marquise von O . . . und Das Erdbeben in Chili, also die drei Erzählungen, die ganz oder teilweise in den Jahren 1807 und 1808 bereits in Zeitschriften erschienen waren. Der Band ließ sich anscheinend gut verkaufen. Denn der Verleger Reimer erklärte sich zehn Monate später bereit, einen zweiten Band
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