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KX - Bestseller neu aufgelegt
Henkersmahlzeit
Wenn Kommissar X versagt
Jo LouU Walker wird von Dr. Tizzini nacli Frankreich gerufen und im voraus großzügig bezahlt. Doch als Walker an seinem Bestimmungsort eintrifft, liegt sein Auftraggeber längst, durch eine Masdiinenpistolengarbe getötet, in einem Straßengraben. Die Verwandten des Ermordeten haben eine panische Angst vor der Aufklärung des Falles; die Foiizei, die Interpol, sdieinbar alles stellt sich Kommissar X in den Weg, als er trotzdem die Verfolgung der Mörder aufnimmt. Damit beginnt für ihn ein unerbittlidier Kampf gegen eine gewaltige Machtgruppe, die im Dunkeln sitzt und vor keinem Mittel zurückschreckt.
1.
„Schlagt zu!" sagte der Mann in der Kapitänsuniform gelassen, aber bestimmt.
Seine Leute, vierschrötige Schläger mit allerhand PS in den Fäusten, fak-kelten nicht lange.
Sie ließen erst die flachen Hände gegen Walkers Gesicht sausen, und dann nahmen sie die Fäuste.
Das Verteufelte bei der Sache war, daß sich Walker nicht wehren konnte. Hinter ihm rieb jemand den Lauf seiner Pistole an seinem Jackett blank, während die anderen vor ihm seinen Kopf wie eine Punchingbirne bearbei-
teten. Erst platzten Jo die Lippen auf. Es war die Stelle, wo sie immer aufrissen. Dann hämmerten sie auf seiner Nase herum.
Nach einer Weile hob der Kapitän die Hand, und die Burschen ließen von Jo ab. Der Boß deutete auf die zwei geöffneten Koffer, in denen sich nichts weiter befand als vierzig Kilo Pariser Magazine.
„Jetzt spuck mal aus, wer das eingefädelt hat", sagte er im Marsailler Edel-slang. „Ich bin schließlich keine Zeitungsfrau!"
Walker schwieg.
Er blickte auf den Inhalt der Koffer und war selbst überrascht. Was sollte
er dazu sagen? Hätte er geahnt, wie die Geschichte abrollt, dann wäre er nie aus New York nach Frankreich geflogen, nur, um zwei Koffer auf eine Dieseljacht zu bringen, die vor St. Tropez lag.
Der Boß deutete Walkers Schweigen auf seine Weise.
„Also, er will nicht. Dann auf zur zweiten Runde!"
Die Sdiläger fielen wieder über Jo her und tobten sich an ihm aus wie an einem Sandsack. Dabei schlugen sie nur so viel, daß Walker nicht schlafen ging. Als ihn einer der Leute in den Leib treten wollte, hielt ihn der Boß zurück. Vielleicht wollte er sich diese Feinheiten für die dritte Runde aufheben. Jedenfalls zog er eine Flasche Schampus aus dem Kühler und kippte Jo das Eiswasser über den Schädel.
Walker wurde wieder munter.
„Mach die Schnauze auf, aber jetzt nullkommaplötzlich!" sagte der Boß, wenig höflich.
Walker wischte sich mit dem Handrücken das Blut vom Kinn.
„Und wenn Sie sich langlegen, ich sage nichts, weil ich nichts weiß. Ich bin ein Botenjunge, sonst nichts!"
„Dritte Runde", sagte der Kapitän kalt.
Aber es kam nicht dazu.
Die Kajütentür ging auf, und ein Mädchen kam herein. Obwohl es in seinem Schädel wie in einem Bienenhaus brummte, erkannte Walker, daß sie prächtig aussah.
Die Dame mußte eben aus dem Wasser gestiegen sein, denn ihr Bikini war klitschnaß. Sie schnippte leicht mit den Fingern der linken Hand, und der Mann hinter Walker steckte seine Pistole ein. Er machte ein paar Schritte zuni Wandschrank und brachte den Bademantel der Schwarzhaarigen. Sie hüllte sich in den weißen Flausch, und ohne Walker eines Blickes zu würdigen, untersuchte sie den Inhalt der Koffer.
Sie nahm ein paar Magazine heraus und blätterte darin.
„Nicht das, was du erwartet hast, wie?" wandte sie sich an den Boß. Dann sagte sie plötzlich: „Ach!"
Sie hatte auf einer bunten Titelseite ihr eigenes Bild entdeckt. Sie nahm das Heft, flüsterte dem Kapitän etwas ins Ohr und schwebte barfuß von dannen.
Der Boß setzte die Sektflasche an und nahm einen tüchtigen Schluck.
„Jetzt wieder zu dir, Kamerad", sagte er dann. „Du willst uns also weismachen, daß du nur ein Botenjunge bist. Du hast von allem keine Ahnung. Du weißt nicht, was gespielt wird, und kennst uns nicht. Du hast nie von uns gehört?"
„Sie sagen es!" entgegnete Jo.
Die Burschen hatten ihm seine Automatic abgenommen, aber noch war er nicht ganz wehrlos. Er hatte noch etwas in Reserve.
Das Witzigste an der ganzen Sache war, daß er wirklich keine Ahnung hatte. Sein unbekannter Auftraggeber hatte ihm nach New York zweitausend Dollar überwiesen und eine Flugkarte geschickt.
Als er am Abend an der Rivieraküste ankam, hatte er sein Hotel aufgesucht und einen Brief vorgefunden, der ihn für Mitternacht mit einem Mann zusammenbestellte. Gleichzeitig hatte ihn der Klient noch gebeten, mit einem Motorboot zwei Koffer auf eine Jacht zu befördern, und das hatte er ausgeführt. Der Mann hatte ihn schließlich bezahlt.
Der Boß zeigte seine Zähne. Sie waren falsch, wie Walker sah, und er schloß daraus, daß man sie ihm schon mehrmals ausmontiert halte.
„Sie haben also keine Ahnung!" Der Boß blickte auf seine Genossen und dachte nach. „Das ist gar nicht schlecht. Dann haben wir auch keine Ahnung."
Er wandte sich an den Burschen, der hinter Jo stand.
„Wir lichten sofort die Anker. Au-