Bővebb ismertető
Schöpferisch sein, das ist das Wesen des Künstlers; wo es keine Schöpfung gibt, gibt es keine Kunst. Aber man würde sich täuschen, wenn man diese schöpferische Kraft einer angeborenen Begabung zuschreiben wollte. Im Bereiche der Kunst ist der echte Schöpfer nicht nur ein begabter Mensch, sondern ein Mensch, der ein ganzes Bündel von Betätigungen, deren Ergebnis das Kunstwerk ist, auf dieses Endziel hin ausrichten kann. Deshalb beginnt für den Künstler die Schöpfung mit der Vision. Sehen ist in sich selbst schon eine schöpferische Tat, die eine Anstrengung verlangt
Schöpfen heißt, das ausdrücken, was man in sich hat. Jede echte schöpferische Anstrengung spielt sich im Innern ab. Aber auch das Gefühl will genährt werden, was mit Hilfe von Anschauungsobjekten, die der Außenwelt entnommen werden, geschieht. Hier schiebt sich die Arbeit ein, durch die der Künstler die äußere Welt sich stufenweise angleicht und sich einverleibt, bis das Objekt, das er zeichnet, zu einem Bestandteil seiner selbst wird, bis er es in sich hat und als eigene Schöpfung auf die Leinwand werfen kann
Ein Kunstwerk ist also das Ergebnis eines langen Arbeitsprozesses. Der Künstler schöpft alle Möglichkeiten der Außenwelt, die seine innere Vision stärken können, restlos aus, und zwar direkt, wenn das Objekt, das er zeichnet, in dem Bild als solches vorkommen soll, oder sonst durch Analogie. Auf diese Art versetzt er sich in einen schöpferischen Zustand. Innerlich bereichert er sich mit allen Formen, deren er Meister wird und die er eines Tages nadi einem neuen Rhythmus anordnet
In diesem Sinne, glaube ich, kann man sagen, die Kunst sei eine Nachahmung der Natur; sie ist es insofern, als die schöpferische Arbeit einem Kunstwerk Leben verleiht. Ein solches Kunstwerk wird sich auch als fruchtbar erweisen, denn es ist mit demselben inneren Beben, mit derselben erleuchteten Schönheit, wie sie den Werken der Natur eigen sind, begnadet. Es braucht viel Liebe, denn sie allein verleiht die Kraft, diese stete Bemühung um die Wahrheit, diese Generosität im Ganzen und diese Verdichtung im Detail, weldie die Entstehung eines jeden Kunstwerkes in sich begreift, zu entfachen und zu unterhalten. Aber steht nicht am Anfang aller Schöpfung die Liebe?
Henri 'Malisse, 1953