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Werner Jüttner - Henri Rousseau [antikvár]
 
WERNER JÜTTNER Henri Rousseau Henri Rousseau, den man den »Zöllner* nennt und der auch tat-säMid) über zwei Jahrzehnte beim Pariser Stadtzoll beschäftigt war, wurde am 20. Mai 1844 in Laval geboren. Die Eltern betrieben hier einen kleihen Klempnerladen, den sie jedoch wegen Verschuldung aufgeben mußten. Die Familie wechselte mehrfach denWohnort, und der Vater versuchte sich im Weinhandel und in verschiedenen anderen Berufen, ohne jedoch dabei irgendwelche Reichtümer zu erwerben. So waren Not und Sorgen dem jungen Henri seit...
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WERNER JÜTTNER Henri Rousseau Henri Rousseau, den man den »Zöllner* nennt und der auch tat-säMid) über zwei Jahrzehnte beim Pariser Stadtzoll beschäftigt war, wurde am 20. Mai 1844 in Laval geboren. Die Eltern betrieben hier einen kleihen Klempnerladen, den sie jedoch wegen Verschuldung aufgeben mußten. Die Familie wechselte mehrfach denWohnort, und der Vater versuchte sich im Weinhandel und in verschiedenen anderen Berufen, ohne jedoch dabei irgendwelche Reichtümer zu erwerben. So waren Not und Sorgen dem jungen Henri seit frühester Kindheit vertraut. Nach dem Schulbesuch, der ihm regelmäßig Preise im Singen und Malen einbrachte, warder Neunzehnjährige bei einem Rechtsanwalt in Angers tätig. Hier begegnen wir dem ersten dunklen Punkt im Leben des Malers, der später einmal selbst erzählte, daß er in seiner Jugend in schlechter Gesellsdjaft unüberlegte Handlungen begangen habe. Abgesehen von einer Untersdjlagung von zehn Franc und einem Griff in die Portokasse, wäre sicherlich alles nodi glimpflich abgelaufen, wenn nicht seine Kameraden dem Rechtsanwalt, bei dem Rousseau angestellt war, einen gröj ten. Der Versuch Rousseaus, durch Verpflichtung einer Anklage und di mißlang. Das Gericht, vor dem er in Uniform erschien, verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis, den er in Nantes verbüßte. Als »Soldat wider Willen* ließ er sich dann bereits nach vier Jahren vom Militärdienst befreien, um seine verwitwete Mutter zu unterstützen. So wenigstens lautete seine Begründung. Die Soldatenzeit des Malers fiel mit dem Feldzug Maximilians II. in Mexiko zusammen. Rousseaus angebliche Teilnahme an diesem Feldzug ist ein weiterer dunkler Punkt. Es handelt sich dabei um eine reine Legende, zu der der Dichter Guillaume Apollinaire und Rousseaus Freunde beigetragen haben, ohne daß der Maler selbst dieser Behauptung mit der Wahrheit entgegengetreten wäre. Wie überhaupt Rousseau sich oft eine »Vergangenheit* erfunden hat. Im Alter von fünfundzwanzig Jahren (1869) heiratete Rousseau in Paris die fünfzehnjährige Clémence Boitard und zog mit ihr in die Rue Rousselet Nr. 15. Nach kurzer Tätigkeit bei einem .Pariser Rea)tsanwalt trat er in den Zolldienst ein — in untergeordneter Stel- eren Geldbetrag entwendet hät-;ine siebenjährige Militärdie r Besserungsanstalt zu entgehen, lung. Die Warenkontrolle an den Pariser Stadttoren ließ dem jungen Zöllner genügend Zeit zum Träumen und Malen. Wenn Rousseau einmal den Maler und Akademiedirektor von Lyon, Félix Clement, nennt, dem er angeblich sehr viel für seine künstlerische Entwicklung zu verdanken habe, so wissen wir auch hier nicht, was Dichtung und was Wahrheit ist. Rousseaus erstaunliche Laufbahn als Maler begann 1884/85 mit einer Ausstellung der beiden Bilder »Italienischer Tanz* und »Sonnenuntergang* im »Salon des Indépendants*. Der Künstler berichtet selbst, daß eines der beiden Bilder mit einem Rasiermesser beschädigt wurde. Im Jahre 1888 verlor der Zöllner seine Frau Clémence, die neun Kinder zur Welt gebracht hatte. Alle, mit Ausnahme der Toé-ter Julie, starben im jugendlichen Alter. Bis an s^in Lebensende bewahrte Rousseau seine erste Frau in verehrender Erinnerung. Für sie hatte er sogar einen Walzer »Clémence* für Violine oder Mandoline komponiert und ihn im Jahre 1886 bei der »Académie littéraire et musicale de France* eingereicht. Denn der Zöllner war nicht nur Maler, sondern auch Musiker, wie einer mit Stecknadeln an die Ateliertür gehefteten Visitenkarte zu entnehmen war, die die Aufschrift trug: »Henri Rousseau - Akademie für Zeichnung, Malerei und Musik - Untcrricht außer Hause - Mäßige Preise*. Aber Malerei und Musik genügten dem Zöllner keineswegs, der sich 1893 - noch nicht fünfzigjährig - mit einem Jahresgehalt von 600 Franc pensionieren ließ. Er wollte voll und ganz in einem freien Leben sich seinen vielseitigen musischen Neigungen widmen. Mit seinen Theaterstücken »Ein Besuch der Weltausstellung 1889* (in drei Akten mit zehn Bildern), »Die Rache eines russischen Waisenkindes* (Drama in fünf Akten mit neunzehn Bildern) und schließlich mit »Der beschwipste Student* (Komödie in zwei Akten), hatte er jedoch keinerlei Erfolg. Am 2. September 1899 heiratete derWitwer Rousseau die acht Jahre jüngere Rosalie-Joséphine, die Witwe eines gewissen Tensorer. Der erste Mann seiner zweiten Frau muß ihm unsympathisch gewesen sein. Denn auf seinem großen Bild »Der Krieg* (siehe Tafel II-III) malte ihn Rousseau als Leichnam, den ein Rabe zerhackt. Mit Rosa-lie-Joséphine zusammen betrieb Henri einen kleinen Buch- und Schreibwarenladen. Doch mit dem Tode seiner Frau (1903), die einem Krebsleiden erlag, fand dieses Idyll ein jähes Ende. Für Rousseau begannen die Jahre der Einsamkeit. Sie wurden nur unterbrochen von der tragikomischen Liebesromanze mit der vierund-fünfzigjährigen Eugénie, die Rousseaus Freunde nach ihrem zweiten Vornamen nur »die blöde Léonie* nannten. Und da ist noch jene »dunkle Geschichte* aus den Jahren 1907109, in die der ewig mit Geldsorgen kämpfende Rousseau verwickelt war. Es wird wohl immer unklar bleiben, ob hier der Maler in dem von seinem Freund Louis Sauvaget inszenierten Scheckbetrug, der 21 000 Franc einbrachte, wirklich nur das ahnungslose Opfer war. Die damalige Gerichtsverhandlung, bei der das Auftreten und die Reden des angeklagten Malers oft schallendes Gelächter auslösten, machte deutlich, wie nahe beieinander Abenteuer und Groteske lagen.

Termékadatok

Cím: Henri Rousseau [antikvár]
Szerző: Werner Jüttner
Kiadó: Fratelli Fabbri Editori
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 270 mm x 350 mm
Werner Jüttner művei
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Vélemény:
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