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Die Schlacht von Solferino
Der Himmel verdunkelte sich. Mit großer Mühe versuchten die Verwundeten, in der von Hitze und Staub erfüllten Luft zu atmen. Sie riefen mit immer schwächer werdenden Stimmen um Hilfe. Bei einigen kauerte ein Kamerad, der ihr Leiden aber kaum lindern konnte. Es gab keine medizinische Versorgung, keine Nahrung, kein Wasser. Man konnte den Schwerverwundeten nur die Hand halten, sie so gut wie möglich trösten und hoffen, daß Krankenträger kämen, bevor es zu spät war.
Wo nur wenige Stunden zuvor Lärm und Unruhe geherrscht hatten — das Krachen von Kanonen, das Donnern von Lafetten, das Knattern von Musketen, die Schreie von Männern in dem Wahnsinn der Schlacht — war nichts als Verwüstung. In der Nähe hörte man den Schmerzensschrei eines Pferdes, und einer der Kavalleristen richtete sich mühsam auf.
»Bin gleich wieder zurück, mein alter Freund.«
Pierre stolperte davon, vorbei an den herumliegenden Gewehren und den ausgestreckten Leichen französischer und österreichischer Soldaten. Eine Weile später hörte der Verwundete einen Schuß, dann war es ruhig, nur noch das Summen der Fliegen und das Stöhnen der Männer war zu hören.
Pierre kehrte zurück.
»Einen Schluck Wasser. Bitte! Da hinten war ein Teich — ich weiß es noch.«
Pierre schüttelte den Kopf: »Er ist voll von Toten. Es gibt nichts.«
Das Chaos danach
Es war im Jahre 1859, das Schlachtfeld befand sich in Italien. In Büchern, die von den Bemühungen erzählen, die italienischen Staaten zu vereinigen, wird die Schlacht von Solferino als Entscheidungsschlacht dargestellt — aber der Preis waren viele tausend Menschenleben, die verloren oder zugrunde gerichtet waren. Nach dem grauenvollen Gemetzel einer anderen Schlacht hatte ein berühmter General mit einem resignierten Achselzucken gesagt: »Man kann kein Omelette backen, ohne Eier aufzuschlagen.« Soldaten konnten ersetzt werden. Das Chaos nach einer Schlacht wurde als die natürliche, unvermeidliche Folge
»In den zahlreichen Spitälern der Lombardei konnte man sehen, welchen Preis man bezahlen muß für das, was die Menschen hochtönend den Ruhm nennen «
Aus: Henry Dunant, Eine Erinnerung an Solferino.
Arn 24. Juni 1859 schlugen die Armeen Österreichs und der sardisch-französischen Allianz in der Nähe des norditalienischen Dorfes Solferino eine 15 Stunden lange Schlacht. Es war ein sehr blutiger Kampf, bei dem 40000 Männer verwundet oder getötet wurden.
Wie in allen großen Kriegen zuvor gab es praktisch keine medizinische Hilfe für die Verwundeten. Aber ein durchreisender Geschäftsmann, Henri/ Dunant, leistete freiwillige Hilfe. Das Leiden, das er dort sah, veränderte sein Leben und sollte auf der ganzen Welt Veränderungen des Denkens nach sich ziehen.