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Herr, mein Gott, wie groß bist du! 3 [antikvár]

Klaus Mayer

 
HERR, MEIN GOTT, WIE GROSS BIST DU! ¦ Psalm 104,1 Was mich veranlaßte, diesen Titel zu wählen, der Marc und Vava Chagall sogleich zusagte, als ich ihn bei einem Besuch am 15. Juli 1980 vorstellte? Er entspricht der Stimmung und Ikonographie der drei seitlichen Fenster und des gesamten Bibelzyklus im Ostchor der St.-Stephans-Kirche in Mainz. Darüber hinaus bringt dieses Psalmwort mein Empfinden zum Ausdruck, das ich seit meiner ersten Begegnung mit dem Kunstschaffen von Marc Chagall beglückend erfahre: Seine Bilder sind für mich wie...
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HERR, MEIN GOTT, WIE GROSS BIST DU! ¦ Psalm 104,1 Was mich veranlaßte, diesen Titel zu wählen, der Marc und Vava Chagall sogleich zusagte, als ich ihn bei einem Besuch am 15. Juli 1980 vorstellte? Er entspricht der Stimmung und Ikonographie der drei seitlichen Fenster und des gesamten Bibelzyklus im Ostchor der St.-Stephans-Kirche in Mainz. Darüber hinaus bringt dieses Psalmwort mein Empfinden zum Ausdruck, das ich seit meiner ersten Begegnung mit dem Kunstschaffen von Marc Chagall beglückend erfahre: Seine Bilder sind für mich wie von einer anderen Welt, »zwischen Himmel und Erde geboren«, und deshalb wohl auch so frohmachend, daß sie mich immer wieder neu faszinieren. Sie betrachtend, nehmen sie mich gefangen, führen sie mich über sich hinaus zu IHM, in dem alle Schönheit der Schöpfung ihre Quelle hat. Den Widerschein der Liebe Gottes, seiner ebenso schönen wie geheimnisvollen Welt, in den Bildern von Marc Chagall findend, kann ich nicht anders als mit dem Beter des 104. Psalms staunend bekennen: »Herr, mein Gott, wie groß bist du!« Nachdem der Ostchor unserer Kirche mit den in gottesdienstlicher Feier am 19. September 1981 übergebenen, seitlichen Fenstern letzte Geschlossenheit und Vollendung empfangen hat und dem Raum damit ein optimales Lichtfluidum zu eigen wurde, denke ich zurück, wie alles begonnen hatte: Ich erinnere mich meines ersten Briefes vom 10. April 1973 mit der zaghaften Bitte an den großen Künstler, Fenster für den Ostchor der St.-Stephans-Kirche zu schaffen. Der ersten, noch zurückhaltenden und alles offenlassenden Antwort waren weitere Briefe und später persönliche Begegnungen gefolgt, die im Laufe der Jahre zu dem großen Geschenk meines Lebens führten, der mir von Marc und Vava Chagall geschenkten Freundschaft. Dankbar gedenke ich einiger Meilensteine dieses Weges: Des ersten Besuches am 23. April 1974; des 23. März 1977, als ich den von Marc Chagall für das Mittelfenster geschaffenen Entwurf bewundern durfte, und der Einweihung am 23. September 1978. Schon wenige Wochen danach, am 10. Oktober 1978, zeigte mir der Künstler in seinem Atelier die fertiggestellten Entwürfe für die flankierenden Fenster, deren Übergabe am 15. September 1979 erfolgen konnte. Einige Monate später, am 27. Januar 1980 war es dann wieder so weit. Marc Chagall überraschte mich mit den Entwürfen für die drei seitlichen Fenster. Auch sie waren ganz anders als erwartet, aber, wie immer, viel schöner: So bezaubernd schön, daß sie wirklich eine Ahnung vermitteln von der auf den unsichtbaren, geheimnisvollen Gott hin transparenten Welt, die zum Gotteslob bewegt: »Herr, mein Gott, wie groß bist du!« Oft hat Marc Chagall mir seine Besorgnis kundgetan, ob er, der 1977 seinen 90. Geburtstag feiern konnte, die Umsetzung der Entwürfe in Glas noch erleben und die Kraft besitzen würde, die Malerei auf dem Glas eigenhändig vorzunehmen. Ich weiß, und noch viel besser seine liebe Frau, wieviel Marc Chagall während der zur Umsetzung der Entwürfe in Glas erforderlichen Wartezeiten gelitten hat. Diese Sorge stand mit ihm auf und ging mit ihm schlafen. Ich werde nie vergessen, wie er am 5. Juli 1980 im Museum der Biblischen Botschaft in Nizza Charles Marq, dem Chef des Ateliers in Reims, zuflüsterte: »Finissez, je serais mort.« So gut ich es vermochte, versuchte ich seiner lieben Frau zu helfen, die Sorgen des Künstlers zu vermindern, ihn zu ermutigen: »Darum könne man beten; wir würden es tun. Gott selbst würde dafür sorgen, daß er sein großes Werk vollenden werde.« Mich beseelte dabei das sichere Gefühl, der Gott der Väter würde ihm Gesundheit und Schaffenskraft erhalten, ging es doch um Gottes Ehre, um Biblische Botschaft mit ihrer unersetzbaren Bedeutung für uns Menschen, zumal in einer Zeit, in der so viele mangels eines sie tragenden Weltbildes den Boden unter den Füßen verloren haben. Am 1. April 1981 durfte ich dann selbst Zeuge der Erhörung der Gebete sein, miterleben, wie Marc Chagall mit der ihm eigenen Genialität im Vollbesitz seiner Schaffenskraft, ganz in die Arbeit versunken, an Fenster 5 die Schwarzlotmalerei ausführte. Er war dabei, die Glasfelder unterhalb des herrlichen Engels zu vollenden. Zuweilen malte er mit leichter Hand, so feinem Pinselstrich, daß ich, wenige Meter entfernt, kaum wahrnehmen konnte, was er im Augenblick malte. Aber dann entstanden Gesichter,

Termékadatok

Cím: Herr, mein Gott, wie groß bist du! 3 [antikvár]
Szerző: Klaus Mayer
Kiadó: Echter Verlag
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 3429007399
Méret: 230 mm x 310 mm
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