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Topographie des normalen Herzens im gewöhnlichen RöntgenbildVon P. ThurnIm gewöhnlichen Röntgenbild erscheint das Herz als ein homogenes Organ, dessen unterschiedliche anatomische Strukturen normalerweise nicht differenzierbar sind. Das gewöhnliche Röntgenbild ist vielmehr ein Summationsbild aus den verschiedenen Wandschichten und dem Blutvolumen der einzelnen Herzhöhlen. Daneben ist bei der Interpretation des gewöhnlichen Röntgenbildes zu beachten, daß sich die vier Herzhöhlen und die lierznahen großen Gefäßabschnitte in allen Aufnahme- bzw. Durchleuchtungsrichtungen teilweise oder sogar vollständig überlagern. Dadurch ist eine exakte anatomische Form- und quantitative Größenbeurteilung jeder einzelnen Herzhöhle für sich im gewöhnlichen Röntgenbild im Gegensatz zum Angiokardiogramm nicht möglich. Dies gilt noch mehr für eine quantitative Bestimmung des Blutvolumens und der Wanddicke jeder Herzhöhle. Trotzdem liefert die gewöhnliche Röntgenuntersuchung des Herzens Befunde, die entweder allein oder in Verbindung mit den klinischen Daten eine anatomische und hämo-dynamische Beurteilung des krankhaft veränderten Herzens erlauben. Dies ist dadurch möglich, weil die verschiedenartigsten Erkrankungen bzw. hämodynamischen Mehrbelastungen des Herzens oder einzelner Herzhöhlen zu unterschiedlichen Größen- und vor allem Formänderungen führen, die röntgenologisch faßbar sind.Die röntgenologische Analyse und Interpretation des abnorm veränderten Herzens setzt die Kenntnis der Röntgentopographie des normalen Herzens voraus. Voraussetzung einer dreidimensionalen räumlichen Beurteilung des Herzens ist eine Untersuchung in mehreren Strahlenrichtungen bzw. Positionen des Patienten. Dies ist sowohl bei rotierender Durchleuchtung als auch durch Aufnahmen in mindestens vier unterschiedlichen Stellungen möglich. Der Vorteil der Aufnahme istihr dokumentarischer Charakter und ihre Reproduzierbarkeit bei Kontrolluntersuchungen mit übereinstimmenden Aufnahmebedingungen. Der Vorzug der Durchleuchtung liegt in einer gleichzeitigen, wenn auch groben Beurteilung der Pul-sationsphänomene des Herzens und der großen Gefäße. Diese sind kymographisch und elektro-kymographisch wesentlich exakter zu analysieren. In Zukunft kann die rotierende Durchleuchtung vielleicht durch die magnetische Bildspeicherung an Wert gewinnen. Aufnahme und Durchleuchtung sind keine konkurrierenden sondern sich ergänzende Methoden. Neben der geringeren Strahlenbelastung bei der Aufnahme ist die exaktere Beurteilung der Lungenstruktur ein weiterer Vorteil. Dies gilt vor allem für Kontrollunter-suchungen. Eine Röntgenuntersuchung des Herzens ist nur durch eine synoptische Beurteilung der formalen Herzveränderungen, der Lungengefäße und der Aorta vollständig und ergiebig. Diese Betrachtungsweise muß Leitregel jeder Röntgenuntersuchung des Herzens sein.Die vier StandardprojektionenDa sich normalerweise die Grenzen der einzelnen Herzkavitäten allseitig nicht markieren lassen und daher das gewöhnliche Röntgenbild keine Aussagen über die ,,absolute" Größe einer Herzhöhle erlaubt, können wir nur aus den Konturen und den Formänderungen des Herzens in den verschiedenen Positionen in Beziehung zur normalen Topographie Rückschlüsse auf die Lage und relative Größe der einzelnen Herzhöhlen ziehen. Für die räumliche Beurteilung des Herzens einerseits und seiner Höhlen andererseits sind folgende Auf-nahmeprojektionen erforderlich: a) dorsoventrales Bild, b) rechtes vorderes Schrägbild, c) linkes1 Scliinz, Röntgendiagnostik, Bd. IV/I, 6. Auii.