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VORWORTNach der in der .Murhardsdien Bibüothek der Stadt Kassel und Landesbibliothek" aufbewahrten Handschrift Mus. Ms. 2° 52 g, bestehend aus vier Stimmblättem in folio, wird hier das Weihnaditskonzert von Heinridi SAfitz Heute ist Christus der Herr geboren" (SWV 439) für zwei Soprane, Alt und Basso continuo in einer praktisAen Neuausgabe vorgelegt^.Eine nähere StimmbezeiAnung fehlt auf allen Blättern der HandsArift. Die Rückseite des ersten Soprans trägt die AufsArift: .Heute ist Christus der Herr gebofcre, ä 3. H. S." Auf der Rückseite der unbezifferten B. c.-Stimme steht: Heute Ist Christus | der Herr gebohren. | A 3. Voc. et. Bass. Cot." Im AIIeluja-Refrain pausieren die drei Singstimmen jeweils vom Beginn des Tripeltaktes an bis zu der in der Neuausgabe mit .Tutti" bezeiAneten Stelle. Eine andere Hand hat jedoA in jeder Singstimme am Ende des Stückes den vollständigen Refrain (bis zum Takt-zeiAen naAgetragen.Ph. Spitta meint dazu', hiemaA lieBe siA vielleiAt vermuten, das AUeluja sei ursprüngliA von einem anderen Chor gesungen worden, dessen Stimmen zuvor auf anderen BlättAen gestanden haben moAten und später aus Gründen der VereinfaAung mit auf die Blätter der drei Favoritstimmen gesArieben wurden. Da siA dem B. c., so führt Spitta weiter aus, sehr oft die Worte der übrigen Stimmen unterlegen lassen, werde auA dadurA die Vermutung angeregt, .ob niAt etwa die Urgestalt der Composition eine andre war, als die vorliegende". Daß SAütz das Werk anfängUA in einer Fassung niedergelegt habe, die der zahlreiAen melismatisAen AussAmückungen der drei Singstimmen entbehrte, hält Spitta für siAer, weil diese, wie er mit ReAt betont, niAt ausgesArieben zu werden pflegten, sondern der Improvisation überlassen waren'. Später habe siA dann SAütz oder auA vielleiAt ein andrer" veranlaßt gesehen, ,zu Nutz und Frommen seiner Sänger" die AussAmückungen in expressen Noten festzulegen". Ganz riAtig sieht Spitta darin ein Ereignis von höAstem Wert, indem uns hiermit eine längere Gesangskomposition in glaubwürdiger Überlieferung ihrer tatsäAliAen Ausführung dargeboten werde, die wir uns, selbst bei vollständiger Kenntnis der alten Theoretiker-Regeln, fast unmögliA hätten so vorstellen können, wie sie wirkliA war"*.1 Kritiidie Emamgiber Hilnrldi Sdmii, SümtllAe Werlte, hrsg. y. Ph. Spitta. Bd. 14. Lclpzis (1893). S. 101104. ' A. O., S. XI f.> Die entcD fünf Takte in ntdit autgezieiter Fassung liefert er a. a. O., S. XII.* Hierzu muß angemerkt werden. daS die in alter Zeit geübte ImprQ-vitation lelbitredend nidit notwendigerweiie zu dem von der Handsdirift überlieferten Resultat geführt haben mufl. Um das harmonische Gefüge einer Komposition nidit zu zerstören, konnten sich Stegreif-Aus-sdimüdcungen natürlidi nur auf die Oberstimme erstredcen und nicht audi zugleidi die Mittelstimmen oder gar nodi den BaB einbeziehen. Daher setzte die gleichzeitige Auszierung mehrerer Stimmen, wie im vorliegenden Fall, eine sdiriftlidie Ausarbeitung voraus. Diese freilidi wird sidi im Prinzip an die herkömmlidie Lehre gehalten und sich der in der Praxis angewandten Regeln bedient haben, so daS die hier Ober-lieferten Ausschmücicungen nidits on ihrer Glaubwürdigkeit einbüBen. - Beispiele sdiriftlidier Ausarbeitung (worauf midi K. Gudewill freund-lidist aufmerksam madite) liefert audi Midiael Praetorius in seinen PolykymMae von 1619 und 1620. Sie sind insbesondere deshalb hSdin lehrreidi, weil Praetorius die ausgezierten und unausgezierten Fasiun-