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Genius der Tränenstadt
Auch das beginnende 18. Jahrhundert steht unter dem Gesetz des Schwertes. Wieder erbebt der alte Kontinent vom Donner der Schlachten, die Machtansprüche der Fürsten werden im Rollen der eisernen Würfel entschieden.
Über den Westen und Süden Europas flammen die feurigen Spuren des Spanischen Erbfolgekrieges. Um die Jahrhundertwende ist der große Kampf zwischen der französischen und der kaiserlich-österreichischen Partei ausgebrochen, weil der letzte spanische Habsburger Karl II. ohne Hinterlassung männlicher Erben gestorben ist und in mehreren aufeinanderfolgenden Testamenten die gewaltige Konkursmasse des zerfallenden spanischen Weltreichs bald dieser, bald jener Partei zugesprochen hat.
Im April 1701 hat Philipp von Anjou, der Enkel Ludwigs XIV., mit der Besetzung von Madrid den grimmigen Tanz eröffnet und sich ein Faustpfand gesichert. Zur gleichen Zeit ist das Kaiserhaus Habsburg mit einer Armee, die vom ruhmreichen Türkensieger Prinz Eugen von Savoyen geführt wird, in die spanische Lombardei eingebrochen. Die Engländer unter John Churchill, Herzog von Marlborough, haben in den ehemals spanischen Niederlanden Lüttich und Venlo in Besitz genommen. England will nicht tatenlos zusehen, wie Frankreich, das auf den Weltmeeren und in den Kolonien sein schärfster Rivale geworden ist, das spanische Erbe gewinnt, um verstärkt später die englische Vorherrschaft auf den sieben Meeren zu bedrohen.
Zwischen die Mühlsteine der Großmächte England-Österreich und Frankreich-Spanien ist das kleine Bayern geraten. Das Ländchen ist noch erschöpft vom Dreißigjährigen Krieg, es hat in den Türkenkriegen 30000 Söhne und 15 Millionen Gulden Kriegskosten geopfert. Der Ehrgeiz des Kurfürsten Max Emanuel, von dem sein Bruder, der Erzbischof von Köln sagt, «ein Heustadel in Belgien sei ihm mehr wert, als eine bayrische Stadt», stürzt Bayern in einen unabsehbaren Krieg. Die Armee kämpft auf selten
Spanischer Erbfolgekrieg (1701-1714) nach Übernahme des spanischen Thrones durch die Bourbonén.
Savoyen wurde 1713 mit Sizilien zum Königreich erhoben.