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Prolog Nur ein grauer
preußischer General
1911, drei Jahre vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, gab es in Deutschland 470 Generale. Doch nur ein knappes Dutzend von ihnen war allgemein bekannt. Für die Popularität dieser wenigen sorgte ein mächtiger chauvinistischer Propagandaapparat, der bestimmte „große Namen" mit angeblichen oder tatsächlichen Besonderheiten der vermeintlich unbesiegbaren neudeutschen Militärmaschinerie identifizierte. So wurde der Generalstabschef Helmuth von Moltke (der Jüngere) ins grelle Licht der Öffentlichkeit gestellt, um dem Mann auf der Straße ein Gefühl der Überlegenheit über die Franzosen (die wahrscheinlichen Gegner im kommenden Kriege) zu suggerieren, die ein anderer - der Ältere - Moltke vor vierzig Jahren bei Sedan überlegen geschlagen hatte. Schullehrer, Professoren, Zeitungsleute verbreiteten den Ruhm des soeben zum Generalfeldmarschall ernannten greisen Grafen von Schliefien, des Schöpfers der Vernichtungsdoktrin im modernen Aggressionsdenken.
Schlieffens Name wurde zum Symbol einer als unfehlbar gepriesenen Kriegsplanung erhoben, seine Tätigkeit an der Spitze des Generalstabs (1891-1906) als Aufbruch in die Zukunft glorifiziert. Unter ihm hatte das Reich 1900/01 in China gezeigt, wie es den Anspruch auf den vielzitierten „Platz an der Sonne" geltend zu machen gedachte. Schlieffens rechte Hand, „Weltmarschall" von Waldersee, hatte damals den gemeinsamen Feldzug der europäischen Großmächte gegen die „gelben Hunnen" angeführt und für die deutschen Exporteure und Großreeder ein üppiges Stück aus dem ostasiatischen Kuchen herausgeschnitten.
Schon weniger bekannt als Moltke, Schlieffen und der bereits verstorbene Waldersee waren solche Generale wie Colmar Freiherr von der Goltz, der langjährige deutsche Kriegsapostel in der Türkei, oder Lothar von Trotha, der Schlächter des südwestafrikanischen Herero-