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Hindus, Helden und Halunken [antikvár]

Hindus, Helden und Halunken [antikvár]

 
NUMMER 383 KOMMISSAR X Hindus, Helden und Halunken Am Fuße des Nanga Parbat stirbt ein Mann. Sein Tod löst eine Lawine aus, die ein schändliches Verbrechen unter sich begräbt Sie waren den schmalen Pfad heraufgekommen. Der kleinere der beiden Männer trat auf ein Plateau hinaus, von dem man einen phantastischen Blick auf das gesamte Bergmassiv hatte. Die Sonne stand genau im Mittag, die Luft war glasklar, und die Berge waren bis hinter zum Kara-korum wie gestochen sichtbar. Der kleinere Mann deutete nach links hinüber. „Das dort...
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NUMMER 383 KOMMISSAR X Hindus, Helden und Halunken Am Fuße des Nanga Parbat stirbt ein Mann. Sein Tod löst eine Lawine aus, die ein schändliches Verbrechen unter sich begräbt Sie waren den schmalen Pfad heraufgekommen. Der kleinere der beiden Männer trat auf ein Plateau hinaus, von dem man einen phantastischen Blick auf das gesamte Bergmassiv hatte. Die Sonne stand genau im Mittag, die Luft war glasklar, und die Berge waren bis hinter zum Kara-korum wie gestochen sichtbar. Der kleinere Mann deutete nach links hinüber. „Das dort muß der Nanga Parbat sein", sagte er. „Drüben in Nepal bin ich noch keinem Schneemenschen begegnet; möchte wissen, ob die Geschichten stimmen, die man sich von diesem Berg erzählt. Irgendeiner hat einmal behauptet, er hätte dort die Spuren solcher Lebewesen gefunden." »Ailes Blödsinn", knurrte der Größere, holte Ii dann schnell sein Jagdgewehr von der Schulter und trat hinter den Mann, der, hingerissen von dem grandiosen Panorama, das sich ihm bot, nicht bemerkte, was hinter ihm vor sich ging. Er nahm sein Fernglas vor die Augen und richtete es auf den Nanga Parbat. Das letzte, was er in seinem Leben sah. waren die schneebedeckten Gipfel des Achttausenders, dann krachte der Kolben des schweren Gewehres auf seinen Schädel. Der Mann hinter ihm hatte mit aUer Kraft zugeschlagen; der Kleinere ging in die Knie; der Mörder trat ihm von hinten in den Rücken, daß der leblose Körper des kleinen Mannes über den Rand des Felsplateaus kippte imd in die Tiefe taumelte. Fünfzig Meter weiter'uiiten schlug er mit einem dumpfen Knall auf einen Stein auf, rollte noch ein paar Meter weiter und blieb darm liegen. Ein wildes Lachen dröhnte von oben herxmter. „Da hast du deine Schneemenschen! Vielleicht findet dich einer und erweckt dich wieder zum Leben." Der Mörder wischte die Blutspritzer vom Kolben seines Gewehrs, schulterte die Büchse und ging raschen Schrittes den Weg zurück, den er vor wenigen Minuten mit seinem Opfer gekommen war. „Schneemenschen!" brummte er vor sich hin und lachte wieder sein bösartiges Lachen. „Hier gibt es keine Schneemenschen, hier gibt es überhaupt nichts. Du wirst da unten verfaulen, mein Lieber, oder die Geier werden sich über dich hermachen." Der Mörder fühlte sich völKg sicher. In dieser einsamen Gegend würde niemand die Leiche finden. Man würde den Mann als vermißt melden und dann vergessen. Beschwingt glitt der Mörder zvTischen Bäumen und Felsen dahin. Er konnte nicht ahnen, daß ihm mit heißem Blick sechs geschlitzte Augenpaare folgten, bis die Felsbrocken, die im Weg lagen, den Mörder verdeckten. Die Höhle befand sich keine zehn Meter über dem Plateau, \md die sechs Tibetaner starrten sprachlos, von Ent-»etzen gepackt, dem Mörder nach. „Das war doch Mord!" stieß endlich eine junge Frau hervor. „Er hat dien kleinen Mann brutal erschlagen. Was müssen wir tun? Vater, du kannst doch den Mörder nicht einfach entkommen lassen." Die sechs Flüchtlinge aus Tibet kauerten im Schutz ihrer Höhle, und fünf Gesichter richteten sich fragend auf den Ältesten. „Was glaubt ihr, können wir tun? fragte der alte Mann mit leiser, singender Stimme. „Sollen wir den Mörder packen imd zur Polizei schleppen? Wir, die wir allen Grund haben, der Polizei von Kaschmir aus dem Weg zu gehen? Sie werden den Mörder richten imd uns wieder über die Grenze zurückschicken. Dort werden uns die roten Tiger aus dem Norden einsperren oder verschleppen, wie sie es immer tun, weim sie einen Flüchtling erwischen. Alles war dann umsonst." Eine tiefe Niedergeschlagenheit bemächtigte sich der sechs Menschen. Sie saßen zusammengekauert in ihren Schaffellen. Mit ihren hohen, mit Ohrenklappen versehenen Mützen sahen sie wie eine unglückliche Familie von Berggnomen aus. „Aber wie können wir ein neues Leben in einem neuen Land beginnen, und wie karm dieses Leben glücklich sein, wenn an seinem Anfang ein Mord steht?" fragte die junge Frau leise. Der alte Maim dachte lange nach. „Wir können den Mörder nicht fangen", sagte er dann bedächtig. „Wir können nur hoffen, daß es andere für uns tun werden. Wir müssen es dem Maim sagen, der uns heute nadit über den See bringen wird. Wenn wir dann in Sicherheit sind, soll getan werden, was getan werden muß. Wir aber wollen nun zu den heiligen Göttern beten, daß sie uns verzeihen mögen, weil wir für den Augenblick unsere Sicherheit vor unsere Pflicht gestellt haben. Und darm vsrirst du versuchen, Lan Tai" — er sagte das zu dem Jüngsten in der Gruppe —, „ob du zu dem Toten hinunterklettern kannst. Die beiden waren keine Kaschmiri. sondern weiße Männer, und diese haben

Termékadatok

Cím: Hindus, Helden und Halunken [antikvár]
Kiadó: Erich Pabel GmbH & Co.
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 160 mm x 220 mm
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