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Vorwort
Das Buch Hiob - eines der ergreifendsten Bücher der Bibel - behandelt das Problem menschlicher Existenz im Leid. Ist das Leid selbstverschuldet? Kommt es als Strafe von Gott? Wir wissen es nicht! Mit allen Fortschritten der Wissenschaft sind wir den Kernproblemen der menschlichen Existenz nicht näher gerückt. Auch heute fragen wir uns immer wieder: Kommt das Leid von Gott? Was für einen Sinn hat unser Leiden? Werden wir dadurch geläutert, so daß wir auf eine höhere Stufe des Menschseins gelangen? Wir bemühen uns, daran zu glauben, denn nur dann, wenn uns das Leid sinnvoll erscheint, haben wir die Kraft, es zu ertragen. Im Buch Hiob wird ein frommer, gottes-fürchtiger Mann schwer heimgesucht. Seine Kinder fallen einem Unfall zum Opfer, ein großer Teil seines Besitzes wird von einfallenden Beduinenhorden geraubt, der Rest vom Blitzschlag vernichtet. Er selbst wird vom Aussatz befallen. Doch sein Glaube an Gott ist - obwohl er von ihm verfolgt wird - unerschütterlich.
Die Wurzeln dieses tiefen Gottesglaubens sind schon in den ersten Büchern des Alten Testaments erkennbar. Ein Volk löst sich von dem Götterglauben der Umwelt los und findet nach vielen Mühen und Irrungen zu einem einzigen göttlichen Wesen, von dem man sich kein Abbild machen darf, um es nicht zu einem menschenähnlichen Götzen zu erniedrigen. In Hiob aber hat das Gottvertrauen seinen Höhepunkt erreicht.
Das Buch Hiob hat bis heute nichts an Aktualität und Aussagekraft eingebüßt. Die Frage nach dem Sinn des Leidens wird von jedem Menschen, der nicht oberflächlich dahinvegetiert, aufgeworfen. Solange es Menschen geben wird, werden sie nicht aufhören, in ihrem Leid mit Gott zu rechten oder an seiner Existenz zu zweifeln, wenn sie nicht von der Gläubigkeit eines Hiob erfüllt sind - dieser aufbegehrenden Gläubigkeit, die verstummen muß, wenn sie vor der höchsten Allmacht steht, und erkennt, daß es Dinge gibt, die unser Menschenverstand nicht begreifen kann. Alisa Stadler