Bővebb ismertető
Vorwort
So unglaublich es scheinen mag: es gab bisher keinen speziell der Geschichte Österreichs und seiner Bundesländer gewidmeten historischen Atlas, der die Entwicklung unseres Staates kontinuierlich im Kartenbild darstellt. Die in den Schulen verwendeten oder sonst für jedermann zugänglichen Historischen Atianten zeigen die Geschichte Österreichs bestenfalls auszugsweise, die seiner Bundesländer kaum. SpezialWerke geben zwar im eigentlichen Sinn des Wortes historische, also zeitgenössische Karten wieder, auf denen allerdings selbst dem interessierten Laien die Orientierung nicht immer ieichtfäüL Einzelne Kartenwerke, wie die Lieferungen des „Historischen Atlas von Wien" oder des „Österreichischen Städteatlas", gehen so sehr ins Detail, daß sie wohl zumeist in der Hand von Spezialisten bleiben. Allein der „Atlas zur Geschichte des steirischen Bauerntums" scheint mir, freilich in einem Sonderbereich, den Anforderungen gerecht zu werden, die an einen jedem geschichtlich Interessierten zugänglichen Historischen Atlas von Österreich zu stellen wären.
Wer weiß, daß beispielsweise Bayern und die Schweiz schon in den sechziger Jahren auf ihre Länder spezialisierte Historische Atlanten herausbrachten und daß sogar deut-
sche Schulatianten der Zwischenkriegszeit sehr gute Karten der Entwicklung der deutschen Länder widmeten, wird diese Lücke in unseren Geschichtsdarstellungen als besonders schmerzlich empfinden. Deshalb habe ich bereits im Jahr 1982 versucht, diesen Mangel wenigstens andeutungsweise durch ein ganz einfach gestaltetes, inzwischen längst vergriffenes Büchlein „Österreichs Schicksal im Kartenbild" zu beheben, nachdem meine diesbezüglichen Beiträge in der damals noch existierenden „Arbeiter-Zeitung" bei den Lesern großen Zuspruch gefunden hatten.
Das Ostarrichi-Millennium im Jahr 1996 schien mir ein Anlaß, endlich einen umfassenden Atlas zur Geschichte Österreichs vorzulegen, in dem die einzelnen Karten auch durch entsprechende Texte zum historischen Ablauf, auf den sie Bezug nehmen, ergänzt werden. In Dr. Christian Brandstätterfand ich nach dem Erfolg meiner beiden Atlanten zur Zeitgeschichte einen aufgeschlossenen Verleger, der sofort bereit war, meinen Vorschlag zu realisieren.
Es war nicht meine Absicht, eine neue Geschichte Österreichs vorzulegen. Die Auswahl aus der Entwicklung unseres Landes war sinnvoiierweise, wie bereits angedeutet, so
zu treffen, daß das historische Umfeld der jeweiligen Landkarte umrissen wurde. Ein Teil der fast 200 Kartenskizzen hat selbstverständlich ältere und neuere Historische Atlanten und Speziaiwerke zur Grundlage, ein anderer Teil wurde vom Verfasser neu erarbei-teL Daß nur Kartenskizzen, allerdings im Vierfarbdruck, vorgelegt werden können, und nicht ausgefeilte kartographische Wiedergaben, hat sowohl in Kostengründen als auch in der Tatsache seine Ursache, daß ein Einzelautor mit einem solchen Werk überfordert wäre. Daher hoffe ich, es möge gerade dieses Buch nicht nur allen Interessierten die Entwicklung Österreichs im Kartenbild nahebringen, sondern auch als Anregung dafür verstanden werden, daß einem Historikerteam eines Tages die Schaffung eines umfassenden, allen Anforderungen moderner Kartendarstellung genügenden österreichischen Geschichtsatlanten ermöglicht werde. Das Jahr 1996 als eine angemessene Gelegenheit für fördernde Stellen, einen solchen, zweifellos mehrjährige Teamarbeit erfordernden Auftrag zu erteilen, wurde bedauerlicherweise dazu nicht genützt.
Wien, im September 2000 Dr. Manfred Scheuch