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Petrarca und das Reich Xum historisch-politischen Aspekt der „studia humanitatis". Von Wilhelm Kölmel
Das Bemühen, die studia humanitatis in der Vielfalt der Repräsentanten, der Vorstellungen, Motivationen und Intentionen, der jeweils nationalen und regionalen Eigenart zu erfassen, hat es nidit leicht gemacht, das Ganze des geschichtlichen Phänomens: „Humanismus" auf sein durchgängiges Wesen eindeutig zu bestimmen. Das Urteil E. Walsers, der Humanismus bedeute an und für sich durchaus keine Weltanschauung, er sei „bloß die ästhetische Liebe zum Altertum" S stellt gewiß in seinem zweiten, positiven Teil der Aussage eine äußerste Form der Resignation dar, aber selbst wenn man nicht soweit geht, dann gibt doch die bunte Welt der nadi langem Verfall wieder ans Lidit gebrachten sublimi studi^ (Bruni, Vita di messer F. Petrarca), ihrer Initiatoren und Nachahmer, bei jeder neuen Einzelerkenntnis wieder die Frage auf, welcher Art die Kräfte waren, die nun primär und elementar die Wiedergeburt des Altertums in Gang bringen, an welchen Kriterien sich bereits anfänglidi das neue Lebensgefühl 'und das mit ihnen verbundene Menschenbild mißt, welche Vorstellungen die Absagen an die Scholastik, an den modo scolastico, bestimmen®. Sind es vorwiegend sprachlich-ästhetische Impulse^, überwiegt die historisch-gegenwartsflüchtige Emphase, ist originär der Drang nach einer vorwiegend weltlich bestimmten Menschlidikeit am Werk? Liegt dem
1 E. Walser, Poggius Florentinus, (1914) 110.
^ Bruni preist Petrarca, weil er als erster „questi sublimi studi lungo tempo caduti ed ignorati rivocó a luce di cognizione".
' Zur Abwehr gegen die Scholastik vgl. Petrarcas verächtliches Urteil über den „scolasticus literator" in; Invectivae contra medicum iii und im Gutaditen für Karl IV. (P. P i u r, Petrarcas Briefwechsel mit deutschen Zeitgenossen Nr. 23). -Bruni in der „Vita di Dante e di Petrarca" (hrsg. von H. Baron 1928) 61 spridit von der literarischen Unkenntnis des 13. Jahrhunderts: „dotti niente di meno in queste discipline al modo fratesco scolastico". Die Mensdien dieses Jahrhunderts waren „rozzi e grossi e senza perizia di lettere".
* Der Durdibruch des Neuen als sprachlich-künstlerische Wiedergeburt artikuliert sich aus den Urteilen über Dante und Petrarca. Für Boccaccio hat Dante den aus Italien verbannten Musen den Weg geöffnet (Vita di Dante: il qual primo doveva al ritorno delle muse, sbandite d'ltalia, aprir la via) und Bruni zufolge hat Petrarca die lange vergessenen „studi" wieder ans Licht gebracht (vgl. Anm. 2). Er habe als erster „l'antica leggiadria dello Stile perduto e spento" (Vita di Petrarca) erneuert.
1 Hist. Jahrbuch 90