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Vorwort
Erst in unseren Tagen ist Wirklichkeit geworden, was der aus Büdingen in Hessen
stammende Pfarrerssohn, der als politischer Nonkonformist 1854 nach London emigrierte
Schüler Liebigs, Ludwig Johann Wilhelm Thudichum, «Chemist of the Brain», gefor-
dert hatte: Es sollte Institute für die Erforschung der Krankheiten des Gehirns und des
Nervensystems geben, die sich mit chemischen und cytologischen Problemen beschäftigen.
Die vorliegende Monographie gehört zu dem Grenzgebiet zwischen Biochemie und
Cytologie, der Neurohistochemie, und bringt auf Grund der langjährigen eigenen Unter-
suchungen des Verfassers nach seiner Ausbildung in histochemischer Methodik bei A.G.
Everson Pearse in London einen Überblick auf biologische und pathologische Probleme
des peripheren Nervensystems. Hierbei werden durch die fermenthistochemischen Befunde
in der Zelle funktionelle Zusammenhänge bei dem Aufbau und Abbau der Nervenfasern
deutlich, die mit anderer Methodik bisher nicht zu erkennen waren.
Eine Zusammenfassung der neuen Fakten dieses jungen Forschungszweiges erscheint
nach den Worten von Karl Friedrich Burdach von 1819 durchaus berechtigt: «Durch
solche Gestaltgebung wird das Fortschreiten des Forschungsgeistes zu neuen Entdeckungen
keineswegs gehemmt; vielmehr erfahren wir gerade erst, wenn wir das Ganze überschauen,
die Lücken unserer Kenntnisse und lernen einsehen, welche Richtungen die Forschung
künftig nehmen muß.»
W. Krücke