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Im Morgengrauen kam Juliane in der kleinen fremden i
Stadt an, wohin ein Telegramm sie gerufen hatte. Sie war die Nacht hindurch gefahren, um ihren Vater vor seinem Tode noch einmal zu sehen. Müde und frierend verließ sie das Bahnhofsgebäude und ging durch eine Allee von gestutzten Kastanien. Es war Anfang Februar, aber es lag kein Schnee. f
Juliane schlug die Pelzkappe hoch, verbarg die Hände tiefer !i
im Muff und steckte das Kinn in den seidenen Schal, den sie unter dem Mantelkragen trug. Sie ging langsam und so gedankenlos, daß sie öfter als einmal in eine tiefe Pfütze geriet. Sie hatte die ganze Stadt zu durchqueren, um zu dem .' Hotel zu gelangen, in dem ihr Vater lag; doch sie beeilte sich nicht. Sie dachte daran, daß sie den Vater nicht mehr gesehen hatte, seitdem man sie, nach dem Tod der Mutter, in ein Genfer Internat geschickt hatte. Sie besaß keine gute und keine schlechte Erinnerung an ihn; sie hatte ihn vergessen. Doch fiel ihr plötzlich eine kleine Szene aus ihrer Kindheit ein. Der Vater sprach drängend und finster auf die Mutter ein, die ihn ruhig und spöttisch ansah, bis er unsicher ; wurde und ging. »Warum ist er böse?« hatte die Kleine gefragt. Die Mutter zuckte die Achsel. »Böse? Ach nein. Er ist nur schwach. Schwach und dumm.« Im nämlichen Augenblick fiel draußen im Flur eine Tür zu, und dieser laute Knall verlieh den letzten Worten der Mutter den Nachdruck eines scharfen und unwiderruflichen Urteils.
Diese Szene, vergessen und plötzlich wieder aufgetaucht, beschäftigte Juliane so sehr, daß sie beinahe an dem Hotel '
vorbeigegangen wäre, in das man sie gerufen hatte. Sie fragte den Portier, wo sie ihren Vater, Herrn Brenton, finden könne. Der Portier räusperte sich, spielte mit seinem Bleistifl; und drehte seinen Schnurrbart hoch. Dann rief er in gleichsam überstürztem Entschluß einen Boy, der in der winzigen und armseligen Halle herumlungerte. »Bring das Fräulein auf Nummer fünfzehn!«
»Oh«, sagte der Junge, »der Herr ist doch « j
»Bring das Fräulein hinauf«, befahl der Portier erbost. -i