Bővebb ismertető
I.Vorwort
Beim Betreten einer Höhle, deren Wände mit jahrtausendealten Malereien bedeclit sind, gewinnt man den Eindruck, in eine großartige imaginäre Welt einzutreten. Die Bilder rufen Ereignisse wach, mythische oder reale, und sie offenbaren die Wünsche und Ängste jener Menschen, die sich solche Stätten zum Ort ihrer Bot-schal^t erwählten. Noch heute vermittelt uns die Bilderwelt der prähistorischen Felskunst eine unbeschreiblich sakrale Bedeutung, und für die Mentalität der westlichen Welt sind die Orte der Höhlenmalerei am ehesten den Kathedralen vergleichbar, die in den letzten tausend Jahren auf den Plätzen großer Städte errichtet wurden. Diese BUderhöhlen sind früheste Orte geistiger Sammlung, an denen Erinnerung und Identität zelebriert wurde. Es sind «Kathedralen der Wüste». Auf dem Planeten Erde gibt es viele solcher unbekannter Kathedralen. An unzähligen Stellen hat der Mensch sie geschaffen, und noch bevor er sie aus Steinquadern zu bauen verstand, hat er sie an Orten hervorgebracht, die ihm die Natur zwischen Felsen darbot, denen zuvor nur die Zeit ihre Spuren eingeprägt hatte. Die neueren Kathedralen unterscheiden sich jedoch grundlegend von denen der Urzeit. Die heutigen befinden sich an Plätzen inmitten der Städte. Heilige Orte früherer Zeiten hingegen waren an abgelegenen Stellen entstanden, wo die Verbindung von Mensch und Raum ganz persönlich und ohne jede Öffentlichkeit vollzogen wurde. An solchen Orten, die häufig verborgen, in Wüsten, auf Bergketten oder in anderen schwer zugänglichen Gebieten errichtet wurden, war der Mensch tiefen inneren Erfahrungen ausgesetzt. Mittels Formen, Zeichen und Farben hat er versucht, mit dem Felsen, dem Wasser, der Sonne und sogar mit der gesamten Natur in einen Dialog einzutreten, um die Botschaften der ihn umgebenden Welt in all ihren vielfältigen Aspekten, Formen, Zeichen und Farben zu verstehen. Und so hat der Mensch auch versucht, seine Botschaften dem Felsen, dem Wasser, der Sonne, ja der gesamten Natur aufzutragen.
Seit Jahrtausenden hat der Geist des Menschen auf Zehntausenden von Felsoberflächen aller Kontinente seine Spuren hinterlassen. Sie sind der sichtbare Ausdruck einer alles mitreißenden Explosion künsderischer Kreativität. Doch dieses immense Erbe vieler Jahrtausende ist unbeweglich und kann weder in einem noch in tausend Museen untergebracht werden. Es muß dort bleiben, wo es geschaffen wurde, und ohnmächtig verfolgen wir, wie allmählich die Farben und Bilder verblassen, wie dieses grandioseste Zeugnis, das vergangene Generationen uns überliefert haben, unaufhaltsam abblättert und zerstört wird. Den «Zahn der Zeit», der daran nagt, können wir nicht aufhalten. Aber wir können dieses Erbe erforschen und weitergeben, bevor es zu spät ist. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Abgesehen von einigen wenigen bekannten heiligen Orten in gut zugänglichen Gebieten ist dieses Erbe weitgehend unbekannt. Unsere heutige Kultur hat es noch nicht wiederentdeckt, und die städtischen, rationalen und pragmatischen Hochkulturen der letzten zwei Jahrtausende brauchten es allem Anschein nach