Bővebb ismertető
Vorwort Gott schuf Himmel und Erde, aber die Niederlander erschufen sich ihr Land selbst." Dieses hollándische Sprichwort beschreibt eine der vielen Eigenschaften der Niederlander wohl am besten: ihren seit Jahrhunderten wáhrenden und noch immer andauernden Kampf gegen die Nordsee. Einen Kampf, bei dem es keinen Sieger und Besiegten gibt, sondern immer nur Waffenstillstánde", Friedensperioden, Atempausen. Immer wieder kommt es zu neuen Auseinandersetzungen zwischen den Niederlándern und der Nordsee. Diese sind ein für Holland und seine auf einer Fláche von rund 42 000 Quadratkilometern (davon fast ein Drittel Binnengewásser) lebenden 15 Millionen Einwohner lebenswichtiger, ja überlebenswichtiger ProzeG, und gleichzeitig ein Beispiel für den Überlebenskampf zwischen Mensch und Natúr, aus dem nach Ansicht vieler Philosophen Kultur überhaupt erst entstehen kann. Die letzte Niederlage für die Niederlander in diesem Kráftemessen mit den Wassergewalten der Nordsee liegt noch gar nicht allzulange zurück. Die Katastrophe ist vielen noch in lebhafter Erinnerung. Es geschah am 31. Januar 1953, einem trüben Wintertag. Alles ging seinen normalen Gang. Die seelandischen Bauern genossen die langersehnte Winterruhe. Wie üblich hörten sie die Nachrichten des sich damals auch in den Niederlanden immer weiter ausbreitenden Rundfunks. Der Königlich Niederlándische Wetterdienst" gab nach den Nachrichten die Wettervorhersage durch: Sturmwarnung, hieB die Botschaft. Kaum jemand kümmerte sich jedoch um die Meldung. SchlieBlich waren Stürme in dieser Jahreszeit ja nichts Ungewöhnliches. Wie die Bauern in Seeland dachten an diesem Tag wohl viele Niederlander, nicht ahnend, daB dieser Januartag zum Todestag für viele ihrer Landsleute werden sollte. Es herrschte die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Niemand konnte vorhersehen, was sich drauBen auf der Nordsee zusammenbraute. Dann plötzlich geschah es, geschah, was für unmöglich gehalten wurde. Das Zusammenwirken einer Springflut mit einem aus Westrichtung anrückenden Orkán peitschte die Nordsee auf. Der Orkán lieB ihre Wellen meterhoch anwachsen und versah sie mit solcher Kraft, daB sie die als sicher geltenden Deiche an der niederlándischen Nordseeküste bei einem Anlauf gleich an 589 Stellen durchbrach. Háuser und Bauernhöfe wurden hinweggespült wie Streichholzschachteln in einem Wasserbecken. Die Katastrophe war da. Holland in Not" heulten die Sirenen. Doch es war zu spát. Die gewaltigen Wassermassen walzten alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Die Sturmflut überspülte groBe Teile der Niederlande, über 200 000 Hektár Land wurden überschwemmt. Die Nordsee hatte zum Gegenschlag ausgeholt und sich ein Stück Land, das die Niederlander ihr durch ein ausgeklügeltes System der Trokkenlegung in jahrhundertelanger záher Arbeit abgerungen hatten, wieder zurückgeholt. Als das ganze AusmaB der Flutkatastrophe einige Tage spáter bilanziert wurde, kündeten die Schlagzeilen der Zeitungen: 1835 Tote, zehntausende Obdachlose." Die Nordsee hatte mehr als viertausend Bauernhöfe und Háuser weggefegt, hatte auBer Menschen zehntausende Tiere in den Tod gerissen. Nie wieder!" so lautete die Antwort der Hollánder auf diese Katastrophe. Sie krempelten die Hemdsármel hoch, ráumten auf und beauftragten die besten Universitáten und wasserwirtschaftlichen Forschungseinrichtungen des Lan5 I i