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vorwort des art centre basel
In seiner Vorlesung Hölderlins Hymnen »Germanien« und «Der
Rhein« hat Martin Heidegger zwischen Anfang und Beginn unterschieden. Der Beginn markiert für Heidegger den Moment, in dem sich etwas manifestiert, der Anfang die Inkubationsphase dieser Sache: »Beginn ist jenes, womit etwas anhebt, Anfang das, woraus etwas entspringt.«
Den Beginn der Ausstellung Homer: Der Mythos von Troia in Dichtung und Kunst bildete ein Brief, den ich als Mitarbeiter des Art Centre Basel am 16. September 2003 an Prof Joachim Latacz, einen der weltweit führenden Homer-Forscher und Gräzisten, sandte, mit der Anfrage, ob er an der wissenschaftlichen Betreuung einer Ausstellung über den griechischen Dichter Homer interessiert wäre. Das Art Centre Basel seinerseits hätte aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen im internationalen Ausstellungsmanagement die nötige Kompetenz und Erfahrung, um die Logistik und Gesamtkoordination einer Ausstellung von diesem Rang durchzuführen.
Postwendend kam die Antwort, der »Vorschlag einer Homer-Ausstellung (sei) attraktiv«, und ihn »reize die Idee«. Bei der Ausstellung Troia: Traum und Wirklichkeit von 2001/2002, deren >Vorhalle< er gestaltete (die Sektion >Am Anfang stand ein Buch - Homer und die Ilias<), habe er während »zahlreicher Hintergrundbeobachtungen des Publikums den anhaltenden Eindruck gewonnen, dass gerade dieser Teil besonderes Interesse fand. Darauf könnte man aufbauen.«
Der Anfang meiner Begeisterung fur Homers Epen reicht jedoch viel weiter zurück: Er begann mit einem griechischen Mahl Im V\?intersemester 1991/1992 hatte ich mit meiner Lesegruppe die Ilias und darauf die Odyssee gelesen. Als krönenden Abschluss dieses Unternehmens gelang es mir, Prof Latacz als unseren Ehrengast zu gewinnen - bei einem griechischen Essen tauschte er Fragen und Anregungen mit uns aus. Seit diesem Tag hatte Joachim Latacz einen begeisterten Hörer seiner Vorlesungen an der Universität Basel gewonnen. Die Begeisterung für die Antike und insbesondere Homer hat mich seither nicht mehr losgelassen.
Im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig und in den Reiss-Engelhorn-Museen fanden die Direktorin des Art Centre Basel und ich Partner, die den Enthusiasmus für meine Ausstellungsidee teilten und die mit uns zusammen das Projekt kreativ in die Tat umsetzten. Den beiden Direktoren, Prof Peter Blome und Prof Alfried V^^ieczorek, und den Mitarbeitern in beiden Museen, vor allem Dr. Ella van der Meijden und Dr. Andrea Bignasca in Basel sowie Dr. Claudia Braun, Anke Bohne, M.A., und Prof Friedrich-Wilhelm von Hase in Mannheim, sind wir dafür zu herzlichstem Dank verpflichtet. Und
was Prof. Joachim Latacz für die Ausstellung an Arbeit, Wissen und Unterstützung eingebracht hat, kann ich nur zutiefst bewundern. Für die unermüdhche Hilfe und Sorgfalt bei der Herstellung des Katalogs danken wir alle Herrn Joachim Wiesinger vom Hirmer Verlag.
Dass sich so viele prominente Museen von ihren wichtigsten Spitzenstücken trennen und sie nach Basel und Mannheim ausleihen, grenzt schlicht an ein Wunder - und stellt eine einmalige Chance dar, die Person, das Umfeld und die Epen Homers in Bild, Text und )Ton< zu erleben. Möge die Ausstellung bei möglichst vielen Besuchern einen Anfang im Sinne Heideggers -»das, woraus etwas entspringt« — bedeuten!
Dr. Thierry Greub Stellvertretender Direktor Art Centre Basel