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Es gibt Künstler, die am Firmament der Kunst hell erstrahlen, aber auch andere, vielleicht weniger Blendende, die eher nur leuchten, deren Bedeutung erst allmählich und dabei gleichsam selbstverständlich zur Geltung kommt. Honoré Daumier war ein Künstler, in dessen Person beides enthalten war. Als Lithograph, Zeichner und Karikaturist war er von allem Anfang seines graphischen Schaffens an berühmt und unerreichbar, als Maler ist er jedoch eine Persönlichkeit, die die Kunst ihrer Zeit scheinbar weitaus weniger offensichtlich beeinflußte und mitgestaltete. Daumiers malerisches, aber auch sein plastisches Werk kannten zumeist nur seine Künstlerfreunde. Dabei ist es kennzeichnend, daß er gerade seit Beginn der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sein Hauptinteresse der Malerei zuwandte und hier den Schwerpunkt seines Werks, seinen künstlerischen Anteil, erblickte. Für den Zeichner unterhaltender sittenschildernder Szenen aus dem Leben der Pariser Bürger und den schroffen Karikaturisten wurde die Lithographie letzten Endes ein drückendes Mittel für den Lebensunterhalt, eine Last, die ihn mit ihrer alltäglichen Unerbittlichkeit von dem Wichtigsten entfernte, dem er all seine Kräfte widmete — von der Malerei.
Widmet man sich dem Maler Daumier, so bedeutet das auch heute noch, eine verborgene Dimension seines Werks zu entdecken. Dank der nachfolgenden Künstlergenerationen, durch deren Vermittlung die Bedeutung von Daumiers Schaffen offenkundiger wurde, können wir den Versuch unternehmen, auf neue Weise dem Kern des Werks dieses Künstlers nahezukommen, wenngleich es wohl kaum möglich sein wird, dasselbe mit Worten zu umfassen.
Daumier zählt in der ganzen Entwicklung der bisherigen modernen Kunstgeschichte zu den großen Themen. Seine Zeitgenossen schätzten ihn als einen der größten Zeichner aller Zeiten. Die Kritik und Kunstgeschichte bezeichnen Honoré Daumier als eine Spitzenerscheinung der graphischen Kunst. Auf die Graphik konzentrierte sich zunächst auch die Aufmerksamkeit ; obwohl ihr Umfang weitaus am größten ist — sie zählt ein paar tausend Werke —, wurde sie zuerst mit einem Katalog versehen. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts hat Loys Delteil einen Katalog von Daumiers Lithographien herausgegeben, in den dreißiger Jahren legte Eugene Bouvy einen Katalog der Holzschnitte an. Weniger bekannt blieb Daumiers bildhauerisches, zeichnerisches und malerisches Werk. Trotz einiger ausführlicher Arbeiten aus den zehner und zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts, zum Beispiel der Publikationen von Erich Klossowsky, Eduard Fuchs und Raymond Escho-